Phu Quoc – Träumen, wo der Pfeffer wächst…
3. August 2016

Gunung Rinjani – Du großer Feuerberg

 
Herrliche Strände, ein pulsierendes Nachtleben und so viel Tourismus. Nein, es geht nicht um Mallorca oder den Goldstrand in Bulgarien. Es geht um Bali, einer von tausenden Inseln von Indonesien. Bali hat wunderschöne Ecken, so ist es nicht, aber das klassische Klischee für eine Rucksackreise, bei der man sich Kultur, Natur und Abenteuer verspricht, erfüllt es eigentlich nicht (mehr).

Vielleicht auch von dieser Sehnsucht getrieben haben wir uns dazu entschieden, den Gunung Rinjani auf Lombok zu besteigen, um mal aus diesem Raster auszubrechen. Vielleicht aber auch, um die eigenen Grenzen einmal kennenzulernen und soviel sei schon gesagt: Die haben wir kennengelernt, aber von Anfang an.

Hinter uns wird Nusa Lembongan, eine echte Perle in der Nähe von Bali immer kleiner, als wir mit dem Speedboot über die Wellen Richtung Lombok peitschen.

Dort angekommen, waren wir augenscheinlich die einzigen auf dem Boot, die am Hafen von Lombok aussteigen wollten (den Rest zog es direkt auf die Gilis). Wir waren noch nicht mal runter von dem Schiff, da hatten wir schon eine neue Begleitung an der Hand, der natürlich wusste, dass wir die Tour auf den Rinjani machen wollen, ohne, dass wir es jemandem erzählt haben.

Der erste Eindruck war zwar etwas unseriös, da wir uns vorkamen, als hätte ein Mittelsmann der Mafia uns im Auftrag seines Chefs abfangen sollen, aber im Gespräch wurden wir uns sympathischer und er brachte uns in das Büro von Rinjani Trek Centre, von dem wir vorher schon gutes über Preis und Leistung gelesen haben. Für die Verhandlungen saßen wir dann gefühlt mit dem halben Ort zusammen, tranken den ein oder anderen kalten Eistee und wurden über die Tour beraten. Nach harten Verhandlungen einigten wir uns auf ein für beide Seiten tragbares Leistungspaket:


- 3 Tage / 2 Nächte

- inkl. Guide und Trägern für unser Gepäck

- inkl. Campingausrüstung für die Übernachtungen auf dem Krater

- inkl. Essen und Trinken

- inkl. zwei Paar Handschuhen und zwei Jacken

- inkl. Transport zum Berg / zurück zum Hafen


Preis: 1.900.000 IR (ca. 135€) pro Person


Losgehen sollte es dann auch sofort. Das Taxi war bereits gechartert und wir wurden ganz bequem zum Fuße des Bergs gefahren (Dauer ca. 2h). Dort angekommen blieb uns nichts übrig, als den Rest des Tages zu entspannen uns bereits mit dem Berg anzufreunden und uns mit herabsteigenden Reisenden über die Strapazen auszutauschen. Sehr motivierend!

Am Abend lernten wir unseren Guide Barsia kennen, der uns auch unsere Handschuhe und Jacken mitbrachte (kaum zu glauben bei über 30 Grad am späten Abend).

Danach ging es früh ins Bett und ebenso früh auch wieder raus.

Tag 1

Der Morgen hätte kaum schöner sein können. Mit einem herrlichen Blick auf den Gipfel des Berges starteten wir in den Tag, der Himmel war strahlend blau, es war aber auch brüllend heiß und unser Guide holte uns pünktlich nach dem Frühstück ab. Da wir unsere Backpacks in der Unterkunft zurücklassen durften, hatten wir unsere Tagesrucksäcke mit der entsprechenden Ausrüstung für die kommenden Tage ausgestattet und mussten nicht das gesamte Gepäck über den Vulkan tragen, was uns sehr recht war. Dann lernten wir unsere Gruppe kennen: Jonny aus der Schweiz, Luis aus Brasilien, Vick aus Frankreich, Flo aus Deutschland und Ryan aus Holland. Ein richtig schöner, bunter Haufen also und kein Massenausflug mit 20 Leuten. Sehr schön!

Die ersten hundert Meter ersparte uns Barsia, denn wir wurden mit dem Kleinbus zum Eingang des Gunung Rinjani National Parks gefahren. Die folgenden Stunden lassen sich in wenigen Worten zusammenfassen: Laufen, staunen, genießen, essen, trinken, laufen ...habe ich schon Staunen gesagt?

Tag 2

Die Nacht im Zelt war nicht so unbequem und beschwerlich, wie man denken könnte. Die Matten haben den steinigen Untergrund doch recht gut abgefedert und es wurde auch nicht eisig kalt auf ca. 1.600m Höhe. Nach dem Frühstück und dem Kopi ging es bergab, rein in den Krater und runter zum Kratersee. Unfassbar wie ruhig es an diesem Ort ist, wenn man sich mal von seiner Gruppe absetzt. Unten angekommen ging es direkt in den See, der unerwartet kalt und erfrischend war. Um danach wieder auf eine angemessene Körpertemperatur zu kommen, liefen wir weiter zu den heißen, schwefeligen Quellen rings um den See. Heißer als jede Badewanne, aber die Badehose behält ihren Gelbstich für den Rest ihres Badehosenlebens – versprochen!

Nach dem Wellnessprogramm im Krater des Vulkans ging es wieder bergauf zum zweiten Schlafplatz auf der anderen Seite des Kraters unter dem Gipfel. Alle gingen recht schnell ins Bett, es wurde sehr kalt und um 2:00 Uhr morgens stand der morgendliche Aufstieg auf den Gipfel an. Die Nacht war wirklich kurz, es zog ein Gewitter über unser Camp, völlig unerwartet. Unser Zelt hielt überraschenderweise komplett dicht und widersetzte sich auch dem Wind erfolgreich.

Tag 3

Barsia zupfte an unserem Zelt, um uns aufzuwecken, doch wir waren bereits wach. Fünf Minuten später gabs den ersten Kaffee und danach, ja, danach kam der endgültige Aufstieg auf 3.700m Höhe. Mit ordentlich Muskelkater in den Waden setzten wir uns also in Bewegung, jeder bekam eine Kopflampe, es war stockdunkel und in dieser Höhe gab es keine Vegetation mehr. Jeder Schritt nach vorne versank in vulkanischem Geröll. Unser Ziel war es zum Sonnenaufgang gegen 5:00 auf dem Gipfel zu sein. Es war endlos strapaziös, doch als die Sonne am Horizont erschien, nahm jeder noch einmal alle Energie zusammen, um pünktlich am Gipfel zu sein. Der Ausblick war gigantisch, wir hatten hervorragende Wetterbedingungen, der Sturm in der Nacht hatte die Wolken vertrieben und bot uns einen herrlichen Ausblick. Nach endlosem Kampf kamen wir pünktlich oben an, es war wunderschön.
Wir nahmen uns genügend Zeit, diesen Moment zu genießen, immer in dem Wissen, dass wir den Weg auch wieder zurücklaufen müssen, aber das war in diesem Augenblick egal.

Der Weg hinab ins Camp ging super schnell, wir rannten geradezu die Aschepisten hinunter, so sehr hatte und das Adrenalin gepackt. Wir packten unsere Sachen zusammen und liefen zurück ins Tal.

Bei unserem letzten Essen überraschten wir unsere Träger und unseren Guide mit einem Gruppen(Geld-)Geschenk als Dankeschön für die tollen Tage und das gute Essen.

Am Ende hatten wir in drei Tagen nahezu 34km abgespult und 3.000 Höhenmeter überwunden. Ein tolles Gefühl. Die Erschöpfung forderte aber in den Tagen darauf ihren Tribut. Vor allem der viele Staub an Essen und Trinken hatte unserem Magen nicht gutgetan, aber auch das verging wieder!

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