Weltreise_Backpacking_Namibia_Etosha
Etosha Nationalpark – Wildlife Safari
15. Dezember 2016
Weltreise_Backpacking_Afrika_Roadtrip_Vicfalls
Die Victoria Fälle und ein Kindheitstraum, der wahr wird
20. Dezember 2016

Unsere Nord-Namibia-Route und der Horror in der Buffalo Core Area

Weltreise_Backpacking_Namibia_Mahango
Wir sind in Katima Mulilo. Viel nördlicher geht es kaum in Namibia. Dass wir hier angekommen werden, war den ganzen gestrigen Tag über nicht abzusehen. Wir haben unseren absoluten Horror durchlebt, doch von vorne.


Nach unserer Zeit im Etosha Nationalpark gönnten wir uns erstmal eine Pause in Grootfontein. Wir kamen bei Peter unter, einem Hessen, der das Maori Campsite and B&B in der Nähe von Grootfontein zusammen mit seiner Frau führt. Die beiden sind nach Namibia ausgewandert, als der Euro in Deutschland eingeführt wurde. Seine Frau hat eine Schule in Namibia aufgebaut und er verdient sich neben dem Campingplatz mit dem Verkauf von Wildfleisch aller Art ein paar Namibia Dollar dazu. Von ihm haben wir sehr viele Tipps für unsere Tour in den Norden erhalten. Danke, Peter!


Nach Warnungen wie „Wenn ihr in Rundu euer Auto stehen lasst, ist es fünf Minuten später aufgebrochen“ oder „hinter dem Zaun beginnt das echte Afrika“ ließen wir den Motor unseres Toyota an und fuhren los. Rundu war das 250 Kilometer entfernte Zwischenziel auf unserer Reise in den Caprivi-Streifen. Auf halber Strecke nach Rundu erwartete uns der sog. Zaun (Am Veterinärszaun hat man von Süden nach Norden keine Probleme, umgekehrt aber dürfen keine Tierprodukte aus dem Norden in den Süden gebracht werden, weil das Qualitätsgefälle enorm ist. Daher werden die Autos sehr akribisch untersucht). Nach einem kurzen Stopp ging es weiter.


Dann wurde wahr, was Peter gesagt hatte. Links und rechts am Straßenrand war der Weg gepflastert mit Lehmhütten, Wellblechdächern und sporadischen Gehegen für die Nutztiere, die überall auf der Straße herumliefen.

Weltreise_Backpacking_Namibia_Rundu
Weltreise_Backpacking_Namibia_Rundu
Jetzt waren wir wohl in Afrika. Wir empfanden das Leben hier nicht wirklich als Armut. Die Menschen winkten freundlich und lächelten, als wir vorbeifuhren. Es war schlichtweg das maximal einfachste Leben, das man sich als Europäer vorstellen kann.

Auch nach Rundu, das wir im Übrigen völlig mieden, zog sich dieses Bild der Dörfer fort. Weitere 200km, bis wir schließlich in Divundu ankamen. Peter hatte uns einen günstigen und gepflegten Campingplatz direkt am Okavango empfohlen, den wir zielsicher ansteuerten. Und ja, er war wirklich ein Top-Tipp!


Die Mahangu Lodge and Camp liegt unmittelbar am Okavango, der Lebensader großer Teile des südlichen Afrikas. Unser Stellplatz Nr. 3 lag direkt am Ufer, wir hätten also vom Auto in den Fluss springen können. Es war herrlich!

Weltreise_Backpacking_Namibia_Okavango
Am nächsten Morgen starteten wir in einen Tag, an dessen Ende man sich denkt: Wären wir heute einfach im Zelt liegen geblieben und hätten nichts unternommen!


Glücklicherweise tankten wir noch einmal vor der Weiterfahrt nach Katima Mulilo, das etwa 300km von Divundu entfernt lag, wollten wir doch noch einen Stop im Mahango Game Reserve machen und nach Hippos Ausschau halten. Ein Blick zu wenig auf die Karte und wir durchquerten eine Polizeikontrolle, mit deren Durchfahrt wir das Mahango Game Reserve hinter uns ließen. Plan B musste her, also fuhren wir in die angrenzende Buffalo Core Area.


Die ganze Nacht hindurch hatte es in Strömen geregnet und auch am Morgen regnete es immer wieder. Dazu muss man wissen, dass der Caprivi-Streifen die einzige Tropenregion in Namibia ist und hier aktuell Regenzeit ist.

Rein in den Park, 90N$ am Buffalo-Office für zwei Personen plus Auto gelassen und eine furchtbar schlechte Karte der Routen des Parks abgestaubt.

Schon jetzt kann man rückblickend sagen:

- Plan B

- Schlechtes Wetter

- Schlechte Karte

Wir hätten die Vorzeichen erkennen können!


Der Park bestand nur aus wenigen Straßen, dafür aber aus vielen Schlammlöchern und Gestrüpp. Nahmen wir eine Abzweigung, so folgte nach kurzer Zeit aufgrund des Regens ein großes Wasserloch, dessen Tiefe wir nicht abschätzen konnten. Das Risiko unser Auto zu versenken, war uns der Spaß nicht wert. Also fuhren wir auf der „Hauptstraße“ tiefer und tiefer in den Park hinein. Endlich kamen wir am Okavango an und konnten in der Ferne die ersten Flusspferde beobachten. Wir schienen völlig alleine in diesem Park unterwegs zu sein und genossen es. Noch!

Weltreise_Backpacking_Namibia_Mahango
Nordnamibia 6 Mahango
Die Wege wurden nun immer undurchsichtiger und wir begannen zu improvisieren. „Da sieht’s nach Weg aus“ oder „hier scheint man fahren zu können“. Wir fuhren tiefer in den Wald hinein, bis es schließlich keinen sichtbaren Weg mehr gab und das schlimmste:

Der Weg zurück war auch nicht mehr ganz klar.

Wir standen mitten im Dschungel mit unserem riesigen Auto, mit dem man nicht einmal hätte wenden können, wenn wir gewollt hätten. Also blieb nur der Weg nach vorne. Irgendwann kamen wir an einen Zaun, der von einem leichten Feldweg begleitet zu werden schien. Ein Hoffnungsschimmer, der uns noch tiefer in die Verzweiflung tragen sollte.

Wir folgten dem Weg einige Kilometer, es ging IMMER geradeaus. Das konnte unmöglich ein offizieller Weg sein, zumal auch dieser immer dichter zugewuchert war. Nira bemerkte, dass wenige Meter parallel zu unserem Weg ein weiterer Weg verlief, ebenfalls IMMER geradeaus, aber der Weg erschien uns offizieller.

Das Problem: Beide Wege wurden durch hohe Sandhügel und dichtes Gestrüpp getrennt.


In unserem Leichtsinn dachten wir, mit einem Geländewagen kommt man doch über so eine Anhöhe rüber. Erster Gang, volle Kraft .... und wir bewegten uns keinen Zentimeter nach vorne und hinten. Wir steckten fest, mitten im Nirgendwo. Die ersten Anzeichen von Verzweiflung machten sich breit. Zum Glück hatten wir einen Spaten im Auto, mit dem wir unser Auto zunächst freilegten und anschließend den Weg zu der Parallelstraße so bearbeiteten, dass wir im „Hulk-Modus“ (so nennen wir den Power-Antrieb des Toyota seitdem, den uns Devon-Lee von African Tracks genau für diese Situationen nahegelegt hatte) auf die andere Straße gelangten. Zu dem Zeitpunkt waren wir bereits drei Stunden in diesem Park unterwegs.


Wir folgten der Straße etwa 30km. Außer der Farbe und Beschaffenheit des Untergrunds veränderte sich jedoch gar nichts und dann streckten wir wieder fest. Wir waren völlig verzweifelt.

Was, wenn es jetzt noch regnen würde? Müssen wir heute im Dschungel schlafen? Reicht der Sprit? Und wo führt dieser Weg hin? Sind wir noch in Namibia? ...und nicht zu vergessen die vielen wilden Tiere, die sich um uns herum sicher schon fragten, ob wir zum Abendessen bleiben werden.


Es war der blanke Horror.
Dann kam Nira der Geistesblitz. Maps.Me! (Hätten wir auch gut zwei Stunden eher drauf kommen können...) Unsere Offline-Karten-App! Dann die Gewissheit! Dieser Weg führt noch 120km geradeaus, ehe wir wieder in zivilisierte Regionen gelangen. Zurück hingegen wären wir in 35km wieder auf den offiziellen Wegen des Nationalparks. Also mussten wir wenden. Auf einer Straße, deren Breite nicht einmal der Hälfte unseres Wagens entsprach und die links und rechts dicht bewachsen war und...achja, wir steckten auch immer noch fest.


Wir befreiten unser Auto und Nira lotste uns (ja auch jeder Ast und kleinste Delle mussten vorsichtshalber beseitigt werden, um nicht wieder festzusitzen) so lange rückwärts, bis sich die Chance bot, irgendwie zu wenden. Nun zuckte auch erstmals die Tanknadel! Im „Hulk-Modus“ gelang uns der Turn-Around und wir bretterten in die entgegengesetzte Richtung. Die Büsche und Bäume peitschten gegen unseren Wagen. Es war ein Höllenritt, als wir tatsächlich nach 35km wieder auf einen offiziellen Pfad gelangten, auf dem wir bereits gefahren waren.

Wir wollten nur noch raus aus dem Park und dann passierte das:
Weltreise_Backpacking_Namibia_Mahango
Weltreise_Backpacking_Namibia_Mahango
Weltreise_Backpacking_Namibia_Mahango
Mitten auf unserem Weg stand er plötzlich. Ein riesiger Elefant. Er schaute selbst fast so erschrocken wie wir, als wir uns begegneten. Langsam legten wir den Rückwärtsgang ein. Eine Konfrontation mit diesem Dickhäuter würde dem Tag heute noch fehlen. Er schien sich nicht bewegen zu wollen. Vorbeifahren? Trauten wir uns nicht!

Es war aber der einzige Weg raus aus dem Buffalo Park. Dann drehte er sich um, aber er ging nicht. Es war Zeit für ihn, zu duschen. Ein eindrucksvoller Moment, wäre da nicht der Rest des Tages noch in unseren Knochen gewesen. Wir fuhren wieder langsam an den Elefanten heran, schossen noch einige Fotos, dann verschwand er. Und wir auch!

Maps.Me – und das soll keine Schleichwerbung werden – lotste uns tatsächlich nach weiteren 30km auf eine Teerstraße, wir waren draußen. Nach 6,5 Stunden!


Wir waren fix und fertig. Wir waren aber entschlossen, dennoch nach Katima Mulilo (280km von unserem Standpunkt) zu fahren und dort dann auszuspannen. Es war ein echtes Glücksgefühl, wieder auf einer festen Straße zu stehen.

Zum ersten Mal auf all unseren Reisen hatten wir das Gefühl, nicht mehr weiter gewusst zu haben.


Kurz vor Einbruch der Dunkelheit rollten wir auf den gut besuchten Campingplatz des Protea Hotels (140N$ pP), der übrigens zur Marriott-Kette gehört, direkt am Sambezi-Fluss. Es war nicht der Tag, um sich dann noch über Themen wie Preise einen Kopf zu machen.

In der Ferne sahen wir ein eindrucksvolles Gewitter, ehe wir um 20:30 ins Zelt fielen.


It’s over. It’s done.

14 Comments

  1. Hihi, ja so ist das 🙂 Aber am besten einfach nicht stressen lassen (vor allem nicht vor putzigen Elefanten).
    Ich kann euch auch die App Tracks4Africa empfehlen. Die ist zwar wirklich nicht günstig, hat aber 28351 Routen eingezeichnet und Campingplätze, „Restaurants“, Tankstellen und alles mögliche.
    Achja, was meint ihr mit „Am Veterinärszaun hat man von Süden nach Norden keine Probleme, umgekehrt aber dürfen keine Tierprodukte aus dem Norden in den Süden gebracht werden, weil das Qualitätsgefälle enorm ist. Daher werden die Autos sehr akribisch untersucht“? Das liegt eher daran dass die Seuchenausbreitung verhindern wollen, oder?

    Liebste Grüße in unser geliebtes Afrika,

    Lilli

    • Christoph sagt:

      Hallo Lilli,
      DANKE für den Tipp, Maps.me hat eigentlich das, was wir benötigt hätten. Wir haben einfach nicht dran gedacht ??
      Wurde uns so gesagt mit dem Zaun, dass quasi das Süd-Fleisch nicht mehr exportiert werden konnte, wenn es sich mit dem Nord-Fleisch vermischen würde. Das Seuchenrisiko spielt da ja mit rein.
      Viele liebe Grüße aus Botswana 🙂
      Nira und Christoph

      • Mathias sagt:

        Servus. Ja das machen die kurzgesagt um Maul- und Klauenseuche an der Ausbreitung zu verhindern. In Botswana von Nord nach Süd das Gleiche. …. Viel Spaß im Chobe NP mit den Elefanten. Musste einmal wirklich umdrehen weil eine Horde nach der anderen aus dem Busch kam … dafür aber nen Löwen entdeckt den man sonst nie entdeckt hätte! ?

        • Christoph sagt:

          Hi Mathias,
          Schon mal gut zu wissen, dass das on Botswana auch so ist. Danke
          Wow, das ist natürlich dann richtig cool, wenn man auf diese Weise dann auf Löwen stößt. Wir freuen uns schon unheimlich!
          Grüße
          Nira und Christoph

  2. Kuno sagt:

    Wow, was für ein Tag! Da könnt ihr wohl noch lange von erzählen und zumindest wenn man es im Nachhinein ließt, hört es sich auch etwas lustig an, wieviel am Stück schief gehen kann 😀 Aber ich hätte nicht in eurer Haut stecken wollen. Wobei das Zusammentreffen mit dem Elefanten bestimmt beeindruckend war :O Ich wünsche euch noch weiterhin eine super schöne Reise und ganz viele (postitive) Erlebnisse 😉

    • Christoph sagt:

      Hey Kuno,
      Ja, jetzt können wir drüber lachen das stimmt. Wir haben auch schon gesagt, dass wird eine der Geschichten in Afrika, die wir immer erzählen werden. Der Elefant da mitten auf der Straße war natürlich die Krönung 🙂
      DANKE dir 🙂
      Grüße nira und Christoph

  3. Mel von Kind im Gepäck sagt:

    Wir finden uns da irgendwie wieder 😉 Sowas wäre uns bestimmt auch passiert. Ein klein wenig ähnlich auch wieder mal unsere Situation in der Wüste in Nevada dieses Jahr: https://www.kindimgepaeck.de/2016/09/05/mount-charleston/ So Backcountry-Roads können echt hinterhältig sein, vor allem in dem Zustand!
    Viel Spaß Euch noch 😀

  4. Oh da habt ihr ja einiges mitgemacht!Aber solche Erlebnisse gehören auch zum Reisen und im Rückblick habt ihr eine spannende Geschichte zu erzählen und es ist ja gut ausgegangen. Wir schreiben auch gerade unsere Missgeschicke und Pannen zusammen und fühlen mit euch! Viel Spaß

    • Christoph sagt:

      Hallo ihr beiden,
      Ja auf reisen gehört das mal dazu das stimmt. Wichtig ist, dass man sich davon nicht vom reisen abbringen lässt ?
      Pleiten, Pech und Pannen beim reisen also? Klingt amüsant ??
      Viele liebe Grüße
      Nira und Christoph

  5. Annika sagt:

    Ui, was für ein Trip, da habt ihr ja noch Glück gehabt, dass euch beim Freischaufeln keine Elefanten oder noch andere gefährliche Tiere begegnet sind. Maps.me finde ich seit unserer Costa Rica Reise auch echt genial. Teilweise sogar besser, als Googlemaps.
    Lg Annika

  6. was ein abenteuer, aber ne tolle geschichte für später!

Schreibe uns gerne einen Kommentar zu diesem Beitrag