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Botswana – Wir sind uns noch nicht grün

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Seit wir in Botswana angekommen sind, läuft es nicht mehr so richtig rund. Das war in Namibia anders. Da hat alles einfach funktioniert. Kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken, auch wenn davon jede Menge zur Verfügung stünde. Tief genug, für jeden noch so breiten Dickkopf.
Was war unser eigentlicher Plan?

Nach unserer Tour zu den Victoria Fällen in Zimbabwe wollten wir ursprünglich durch den Chobe Nationalpark ins Okovango Delta fahren. Nach ein paar Tagen dort wären wir zu den Makgadikgadi Salzpfannen gefahren und hätten anschließend Weihnachten in der Kalahari verbracht. So der grobe Plan.
Was haben wir tatsächlich gemacht?

Wer nicht vorausplant, der muss die Dinge eben manchmal nehmen, wie sie sind. Wir hatten ja bereits erzählt, dass es ununterbrochen regnete im Norden Botswanas. Schon ohne das Wasser sind die Straßen im Chobe mehr als schlecht. Unter diesen Voraussetzungen nahezu unpassierbar. Am Morgen, als wir eigentlich in den Chobe Nationalpark fahren wollte, regnete es natürlich immer noch und schon beim Check-Out warnte uns die ortskundige Dame in den Nationalpark zu fahren. Klang ernst.

Gut Planänderung. Wir fahren über Nata (200km südlich von Kasane) zuerst zu den Makgadikgadi Salzpfannen. Gesagt, getan. Auto vollgetankt und los. Am späten Nachmittag kamen wir im Planet Baobab, einem total gemütlichen Campground 100km westlich von Nata an und waren super happy mit unserer Entscheidung. Nach einem genüsslichen Bad im Pool und der Erkenntnis, dass es hier endlich nicht mehr regnete, ging es mit Vorfreude in den nächsten Tag. Natürlich sind auch die Salzpfannen in Botswana teil eines Nationalparks und diese sind hier nicht gerade günstig. Wie wir mittlerweile festgestellt haben, kostet der Eintritt in jeden Nationalpark hier dasselbe:

120 Pula pro Person plus 50 Pula für das Auto

Am Gate zu den Salzpfannen angekommen erfuhren wir, dass diese aufgrund des Regens der letzten Tage mit Wasser geflutet sind. Also keine Salzpfannen mehr, sondern ganz normale Seen. Da nur ein kleiner Teil der Salzpfannen überhaupt zum Nationalpark gehörte, entschlossen wir uns, nicht in den Park zu fahren und die Salzpfanne lieber selbst zu suchen.

Immer, wenn wir kurz davor schienen, den Rand der Salzpfannen zu erreichen, kam ein großes Schild: NO ENTRY (Private Road)

Chobe Nationalpark – nicht gesehen, wegen des schlechten Wetters

Makgadikgadi Salzpfannen – nicht gesehen und gelflutet mit Wasser

Botswana schien einfach noch nicht bereit dafür, eines seiner Highlights mit uns teilen zu wollen.

Unterschlupf für die Nacht suchten wir im Maun Restcamp, das zum The Old Bridge Backpackers gehört. Außer superschnellem WLAN hatte das Camp allerdings nichts zu bieten.
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Tags drauf wurde es dann richtig erstklassig, was die Aneinanderkettung falscher Entscheidungen betrifft.

URSPRÜNGLICH starteten wir den Tag mit dem Gedanken, in den Moremi Nationalpark im Okavango Delta zu fahren, eine Nacht dort zu verbringen und vielleicht am nächsten Tag noch einmal einen Versuch im Chobe zu starten. Auf der Fahrt dorthin änderte sich die Gefühlslage jedoch und wir fuhren direkt in den Chobe Nationalpark. Wir dachten, wir sind schlau und machen das zuerst. Da wir sowieso nicht zeitig gestartet waren und die Zufahrtsstraße zum Mababe-Gate im Süden des Parks bereits einen Vorgeschmack auf die Pisten im Park lieferte, kamen wir erst um etwa 12:00 am Parkeingang an.

Unser Plan: Einfach mal zu Savute-Camp (65km vom Mababe-Gate) fahren. Umdrehen und zwischen Moremi NP und Chobe NP irgendwo übernachten. Klingt doch eigentlich sinnvoll. Wer hätte es gedacht: So kam es nicht!

Am Mababe-Gate angekommen sollten wir erst einmal überrascht erfahren, dass wir unseren Eintritt im Savute-Camp bezahlen sollen, also mitten im Park. Das würde hier so laufen. Ok!

Der Chobe Nationalpark ist berühmt für seinen Reichtum an Elefanten und das merkten wir sofort.

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Gleichzeitig schienen die Elefanten aber die einzigen Tiere zu sein, die diesen Park besiedeln. Bis zum Savute-Camp sahen wir lediglich drei Zebras, zwei Giraffen und jede Menge Elefanten. Achso, der Weg zum Savute-Camp war der reinste Spießruten-Lauf zwischen tiefen Wasser und Schlammlöchern, Tiefsandpiste und Baumteilen, die vom Wetter der letzten Tage auf die „Straßen“ geknickt waren. Ganze drei Stunden benötigten wir für die 65 Kilometer-Strecke zum Savute-Camp. Dann trafen wir die schlauste Entscheidung des Tages. Lass uns doch die 35km hoch zum Linyanti-Gate fahren und von dort runter an den Nordeingang des Moremi Nationalparks fahren. Denn, dieselbe Strecke vom Savute-Camp zurück zum Gate, das wäre doch doof.

So machen wir es. Auf unserer Karte gabs eine Straße zum Moremi NP, die sollte es dann werden. Aber auch so sollte es nicht kommen. Am Savute-Camp teilte man uns dann mit, dass wir einfach am Linyanti-Gate zahlen sollen, wenn wir eh dort hinfahren. Ok!

„He guys are you really driving to Linyanti?“ fragte uns einer der Safari-Guides noch, als wir losfahren wollten. Da wir freundlich nickten empfahl er uns noch, immer den Weg links zu fahren, weil er heute schon ein Auto aus dem Tiefsand ziehen musste.

Es gibt keine logische Erklärung dafür, warum wir diesen Gedanken nicht hinterfragten. Wir wollten schlichtweg nicht denselben Weg in den Süden zurückfahren, den wir gerade gekommen waren. Hätten wir mal...


Zum Linyanti-Gate sind es nur etwa 35km, doch der Großteil dieser Strecke war aufgrund des enormen Tiefsands nahezu unpassierbar. Nur im Hulk-Mod konnten wir uns immer und immer wieder aus dem Sand befreien. Warum wir nicht einfach umdrehten? In der Situation muss einfach der Halt-Stopp-Knopf bei uns beiden geklemmt haben, denn wir taten es schlichtweg nicht.

So kamen wir um 17:00 am Linyanti-Gate an und dann die erste positive Nachricht des Tages. Da die Frau, die die Eintrittstickets schreibt, gerade nicht da ist und der Herr, den wir antrafen sich dafür nicht zuständig fühlte, verabschiedete er uns nur mit einem „that must be a early christmas gift for you“. Wir haben den Chobe also umsonst durchfahren. Im doppelten Sinn, wie sich gleich darauf zeigte. Die Straße, die wir uns eingebildet hatten, zum Moremi NP zu nehmen, existierte scheinbar gar nicht (das blieb bis heute unklar). Durch den Chobe Nationalpark zurück ging auch nicht. Der Park schließt um 19:00 und bis dahin würden wir kein weiteres Gate erreichen.
Jetzt standen wir da, irgendwo im Norden, direkt an der Grenze zu Namibia und realisierten das Ausmaß unserer Entscheidungen.


Eine einfache Möglichkeit gab es noch. Hier im Camp übernachten für 50$ (!) pro Person und morgen früh zurückfahren. Nein danke, wir müssen sparen (Das Camp sah auch echt nicht nach 50$ pro Person aus!). Wenn Gönnung, dann richtig!
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Dann blieb nur eins. In die nächste Stadt fahren und morgen durch den Chobe in den Süden zurück. Die nächste Stadt? Tja, das war wieder Kasane, 160km entfernt und es würde in zwei Stunden dunkel werden. Da kriegst du Puls sag ich dir. Und der schlug noch höher, als wir die Verbindungsstraße zur nächsten Asphaltstraße befuhren. Tiefsand, Wasserlöcher, Baumreste... Es war als wären wir noch inmitten des Nationalparks.

Die Fahrt wurde zum Höllenritt. Während in unserem Rückspiegel die Sonne zunehmend die letzte Fahrt des Tages auf sich nahm, bretterten wir so schnell es ging (maximal 80km/h) über die Pisten. Bloß nicht stecken bleiben, bloß keinen Plattfuß und bitte renn uns jetzt auch nichts ins Auto!

Als der Sonnenuntergang soeben begann, erreichten wir völlig fertig die Asphaltstraße in Kachikau. Ab hier waren es noch etwa 100km. Nur jetzt dann demnächst im Dunklen, aber immerhin auf festem Untergrund. Das schaffen wir jetzt auch noch.

Um 20:30 – es war bereits stockdunkel – erreichten wir den Kontrollpunkt von Kasane. Die Schranke war zu, man schien sie aber öffnen zu können. Wir trugen uns in das Kontrollbuch ein (das ist normal hier, wenn eine Stadt oder ein neuer Bezirk beginnt) und wollten losfahren, als ein Offizer aus seinem Bett sprang und uns stoppte.

„Von wo kommt ihr gerade?“

-„Wir kommen aus Maun.“

„Also seid ihr durch den Nationalpark gefahren, kann ich bitte eure Quittung sehen?“

(Hatten wir uns noch über die kostenlose Fahrt durch den Chobe gefreut, standen wir jetzt natürlich ohne Ticket da!)

-„Das mag jetzt vielleicht komisch für Sie klingen, aber...“ Wir begannen dem Herrn die Geschichte zu erzählen, wie wir sie heute durchlebt hatten und dass niemand im Chobe unseren Eintritt kassieren wollte. Nach einigem hin und her sagte der Offizer dann, dass er uns zwar glaube, aber dass das nicht gehen würde. Wir sollten morgen früh wiederkommen und unseren Eintrittspreis nachbezahlen. Gleich abkassieren wollte er dann auch nicht.


Natürlich willigten wir ein, wir waren ja sowieso völlig entkräftet und müde. Blieb das nächste Problem: Wo schlafen wir eigentlich heute?

Chobe Safari Lodge – ausgebucht

Mowena – wollte uns gefühlt ganz schnell wieder loswerden

Bei der Thebe Safari Lodge bekamen wir schließlich einen Stellplatz, der nur frei war, weil er kurz zuvor noch unter Wasser gestanden hatte. Als wir gerade kurz davor waren, endlich auf unseren Zielplatz einzubiegen, rief uns ein Security-Mann hinterher, dass unser Reifen platt sei und wir vorsichtig sein sollen. Ernsthaft? Das auch noch? Ja!


Wir rissen das Zelt auf und legten uns hin mit dem festen Vorhaben: Morgen früh 6:00 aufstehen, Reifen wechseln, zurück in den Süden egal wie!


Der Plan ging auf, bis wir feststellten: Unser Ersatzrad ist irgendwie leer. Ist das vielleicht normal hier? Das Personal der Lodge war total hilfsbereit und pumpte den Reifen für uns bei der nächsten Tankstelle auf. Wir waren irrsinnig erleichtert, als unser Auto wieder fahrbereit war. Jetzt muss es doch wieder bergauf gehen, dachten wir zumindest. Heute fahren wir in den Süden, ganz sicher! Von Kasane aus gibt es aber nur einen direkten Weg ins Okavango-Delta und der führt eben durch den Chobe Nationalpark, unserem Liebelingspark!


Da war ja auch noch die offene Rechnung vom Vortag, die wir begleichen wollten. Wir fuhren zur Polizeistation und der Offizer schickte uns zum Sedudu-Gate, wo wir ohnehin zur Durchfahrt durch den Chobe hinwollte. Das passt ja!

Natürlich erzählten wir auch am Gate unsere Story vom Vortag. Ehrlich währt am Längsten und daher kassierte der Offizer am Gate nur den Eintritt für einen Tag. Yay, dieser Tag startet super! Was wir nicht bekamen, war eine Karte für den Nationalpark. Der Kopierer war leer. Im Vorzeichen deuten sind wir wirklich mies.


Wir bummelten gemütlich am Chobe-River entlang und freuten uns endlich Hippos und Wasserbüffel zu sehen. Nach 40km endete die River-Route jedoch einfach auf der Asphaltstraße nach Kasane. Sollten wir doch einfach die umständliche Verbindungstraße über 600km nach Maun nehmen, statt die 150km durch den Park zu fahren. Neee, das wird heute nicht wie gestern.

Rein, rein, rein in den Park, wir hatten ja sowieso noch nicht viele Tiere gesehen, hatten Zeit und Lust hatten wir auch wieder. Und ein Ziel: Das Okavango-Delta. Auch hier blieb sich der Chobe treu: Tiefsand und einige Wasserlöcher, es war aber machbar.


Doch dann fand unsere gute Laune ein jähes Ende. Nach 70 Kilometern im Chobe Nationalpark standen wir vor einem gigantischen See, Wasserloch, Tümpel.. Was auch immer es war, es war garantiert tief. Kurz angesetzt, sofort abgesunken und wieder rückwärts raus. Nira opferte sich, mit einem großen Stock ins Wasser zu laufen und dessen Tiefe zu testen. In der Mitte angekommen stand sie mit einem Schritt plötzlich bis über die Knie im Wasser. Das war das Ende unserer Fahrt. Auf Höhe der Waden, ok. Aber das war viel zu tief. In der Stille unseres Frustes hörten wir plötzlich ein leichtes Zischen. Das Geräusch kam aus unserem frischen Ersatzrad. Es drang Luft aus. In diesem Augenblick begann es auf einmal in Strömen zu regnen. Da verlierst du den Glauben an alles!

Es gab keine Alternative. Wir mussten so schnell wie möglich zurück, raus aus dem Nationalpark.


Es hat lange genug gedauert und wir benötigten sehr viele Denkanstöße, aber wir entschieden uns wirklich umzudrehen und dieses Risiko nicht auf uns zu nehmen. Die Wasserpfützen waren nun alle noch etwas tiefer, der Sand noch etwas seifiger unser Sprit machte sich auch langsam rar. Es wurde wieder 17:30 bis wir auf festem Untergrund standen. Also machten wir das, was wir so langsam perfektioniert hatten: Eine Unterkunft in Kasane suchen. Wir hatten Glück, gleich in der Chobe Safari Lodge war wieder ein Plätzchen frei.


Es war die einzige richtige Entscheidung, umzudrehen. Das alles hätte kein gutes Ende genommen. Wir haben uns selbst so oft gesagt, „hätten wir doch nicht...“ aber es war jetzt, wie es war. Das gehört zum Reisen dazu. Wir haben einige Tage und Liter in den Sand gesetzt, einen Reifen kaputt gefahren, viele Nerven und Schweißperlen verbraucht, aber wir sind wohlauf.

Botswana und wir beide – das soll einfach noch nicht so richtig sein. Jetzt haben wir den Umweg um den Chobe Nationalpark herum natürlich genommen. Wir haben unser zweites Ersatzrad mit der Hilfe von drei Afrikanern an der Tankstelle aufgezogen. Wir fahren jetzt nicht mehr ins Okavango-Delta. Es scheint einfach nicht sein zu sollen. Außerdem: Wir haben im Norden jetzt einiges an Zeit verloren, wir wollten Weihnachten in der Kalahari verbringen und an Silvester in Kapstadt sein. Auch für den Süden Namibias brauchen wir noch einige Tage. Das alles war jetzt Grund für uns, das Okavango-Delta nicht mehr zu besuchen. Wir hatten einen schweren Start mit Botswana, aber wir werden uns eine zweite Chance geben, irgendwann. Aber nicht mehr jetzt auf unserer Weltreise. Da setzen wir unsere Priorität nun erst einmal wieder auf Namibia's Süden.

Immerhin kennen wir den Chobe Nationalpark nun in- und auswendig.


Wir fahren jetzt in die Kalahari und freuen uns auf Weihnachten.

2 Comments

  1. Dann sag ich mal frohe Weihnachten!!!
    Da habt ihr echt ne Menge mitgemacht, aber ganz ehrlich: ich liebe solche Stories! So ist das eben, DAS nennt man Reisen und erleben und nicht immer läuft’s eben so. Zum Glück ging immer alles gut, das musst gesagt sein, aber ihr werdet ewig daran denken, was ihr zu zweit alles durchgemacht habt 😉

    • Christoph sagt:

      Frohe Weihnachten auch für dich! Danke für deine Worte. Du hast natürlich völlig recht. Das gehört zum reisen und wir werden unsere Art und weise zu reisen natürlich auch nicht ändern. Uns geht’s ja immer noch gut 🙂
      Grüße
      Nira und Christoph

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