Weltreise_Backpacking_Namibia_Namib_Deadvlei
Sossusvlei und Deadvlei – Das ist Namibia!
15. Januar 2017
Weltreise_Backpacking_Myanmar_Yangon
Yangon – Polarisation und Kontrast
21. Januar 2017

Ein exklusiver Tag in Doha, aber 100% kostenlos

Weltreise_Backpacking_Katar_Doha
Es hat nicht einmal 40 Tage gedauert, da war unsere „geplante“ Reiseroute auch schon hinfällig und genau das lieben wir an spontanem und flexiblem Reisen. Ok, zugegeben: Im Grunde hat sich nicht die Route verändert, denn von Kapstadt nach Yangon in Myanmar sind wir trotzdem geflogen. Es kam aber ein Kapitel hinzu, das man so in keinem Drehbuch besser schreiben könnte.


An einem unserer letzten Tage in Namibia kam ENDLICH die Mail von Qatar Air, dass wir aufgrund unseres 21stündigen Aufenthaltes auf dem Flug von Kapstadt nach Yangon beim Stopvover in Doha ein Hotel bekommen würden. Ob es sich dabei um ein City Hotel handeln würde oder das Airport-Hotel, würde kurzfristig entschieden. Das hatten wir wirklich nicht mehr erwartet.

Nachdem wir die Nacht vor unserem Weiterflug aus Kapstadt im Flughafen verbracht haben – also nicht nur die Nacht, sondern auch die 26 Stunden um diese Nacht herum – war uns völlig egal, welches Hotel wir in Katar bekommen würden. Es war unsere erste Übernachtung in einem Flughafen und sie verlief dank eines leeren Sofas in der Flughafen-Bücherei wirklich viel besser, als erwartet.


Nach 10 Stunden Flug kamen wir in Doha an. Wir tendierten schon fast dazu, wenn wir die Wahl gehabt hätten, ins Airport-Hotel zu gehen, da wir echt K.o. waren. Immerhin kam unser Flug erst um 23:50 Ortszeit in Doha an. Am Transit-Desk von Qatar Air legten wir den Voucher auf den Tisch und einige Minuten später saßen wir in einem Privat-Taxi zum Melia Hotel in Downtown Doha. Jeder mit einem Essensgutschein von knapp 40 Euro ausgestattet. Das lief ja wirklich überragend. Die Fahrt durch Doha bei Nacht war schon ein Highlight, doch es sollte sich von nun an fast stündlich steigern.


Als unser Fahrer stoppte, sahen wir aus dem Fenster und konnten es kaum glauben. Wir standen vor der schillernden Lobby des 5* Luxushotels Melia Doha*.

In Jogginghosen. Ungeduscht und leicht unangenehm riechend nach 26 Stunden in Kapstadt am Flughafen. Ohne einen Penny in der Tasche. Wirklich jeder wusste, dass wir Fluggäste von Qatar Air sind und wir wurden behandelt wie die Könige in Frankreich. Wirklich außergewöhnlich gut.

Nach dem Check-In ging es hoch in den 16. Stock, Zimmer 1 – herzlich willkommen.


Das war und wird auch in naher Zukunft wohl das mit Abstand edelste Zimmer gewesen sein, das wir bezogen haben. Ankleidezimmer. Badewanne. Ein wunderschöner Ausblick auf das leuchtende Doha. Es war absolut unwirklich.
Wir gönnten uns nur eine kleine Portion Schlaf, denn, wenn wir schon in die City gefahren wurden, wollten wir doch auch etwas davon sehen. Wie die ersten Menschen steuerten wir am nächsten Morgen zum Frühstücksbuffet. Wir hatten uns schon im Zimmer-Menü darüber schlau gemacht, dass beispielsweise eine Portion belgischer Waffeln per Room-Service mit geschmeidigen 14 Euro pro Person zu Buche schlagen würde. Ob unser Essens-Voucher hier gelten wird? Garnicht nötig! Frühstück? „You’re from Qatar Air, right? – It’s free for you!”


Zack! Weg war sie die Zurückhaltung. Freier Zugang zum umfangreichen und besten Frühstücksbuffet, das wir je gesehen haben. Von gefühlt 50 frischen oder getrockneten Früchten über Teigwaren und Eierspeisen aller Art hin zu nationalen und internationalen Spezialitäten. UNGLAUBLICH.

(Sicher hört man deutlich heraus, dass unser Reisestandard entsprechend weit von dem entfernt ist, was wir dort erleben durften!)


Reichlich gestärkt schlenderten wir schließlich durch unser Viertel und siehe da: Wir sahen ein völlig anderes Doha, als noch bei Nacht. Denn jetzt, da es hell war, sahen wir die tausenden und abertausenden Baustellen ringsherum. An jeder Ecke wird gebaut. Es ist kaum zu fassen, was hier entsteht. Wir fühlten uns wie in einer Version von Sim City. Hier entsteht eine Stadt wie auf dem Computerbildschirm. Höher, größer, schöner, besser. Superlative an jeder Kreuzung und dazwischen Bauarbeiter, Baustellen, Kräne, Dreck.
Weltreise_Backpacking_Katar_Doha
Wir spazierten nur mit Kamera im Anschlag hinunter zum Ufer. Ein paar Bilder machen, unseren Essens-Voucher auf den Kopf hauen und dann zurück zum Flughafen, rüber nach Myanmar. Wie so oft im Leben kam es aber anders, als wir dachten. Wir machten gerade eine kurze Pause im Schatten von Doha’s Skyline am West Bay und überlegten, ob wir es noch zum Museum of Islamic Art schaffen würden. Das Museum gehört zu den bedeutendsten Museen islamischer Kunst auf der arabischen Halbinsel. Und es ist kostenlos! Das würden wir zeitlich aber nicht schaffen und Taxi ist eben einfach nicht drin.


Plötzlich blieb ein Mann neben uns stehen, der gerade eilig auf dem Weg zur Toilette war. „Sie sprechen ja deutsch. Endlich! Endlich treffe ich mal wieder Deutsche in Doha“. Wir wussten überhaupt nicht was wir sagen sollten. Der Mann trug ein weißes Gewand und ein rotes Kopftuch, so wie man es beispielsweise von den Scheichs und Emirati kennt. Er stellte sich als Dr. Gholam vor und nach einem kurzen Smalltalk auf Deutsch – und nachdem er kurz auf Toilette war – lud er uns ein, uns die Stadt zu zeigen. Was will der Mann? Will er uns zu irgendeinem Touri-Ding bringen? Will er Geld? Da kann doch etwas nicht stimmen.


Er schien aufgeregt zu sein. Wir machten ihm klar, dass wir nicht viel Zeit hatten, doch er ließ einfach nicht locker. Er meinte noch, dass er ein schnelles Auto habe und uns pünktlich zum Hotel bringen würde. Er sah jetzt nicht aus, als würde er uns kidnappen und unsere Nieren verkaufen. Wir waren zwar etwas skeptisch, aber wir sind einfach mal mitgegangen.

Manchmal muss man einfach nur JA sagen!


Auf dem Weg zu seinem Auto erfuhren wir, dass Ghoulam zeitweise für eine medizinische Fortbildung in Deutschland gelebt und gearbeitet hat und sich in dieser Zeit in unsere Heimat verliebt hat. Und zwar so sehr verliebt, dass er deutschen Besuchern in Doha etwas zurückgeben möchte. Wir schienen nicht die Ersten gewesen zu sein, die von Ghoulam aufgegabelt wurden. Immerhin erzählte er von einigen anderen Personen aus Deutschland, mit denen er Zeit in Doha verbracht hatte.


Wir stoppten am Parkplatz. Er entriegelte seinen Wagen und die Blicklichter eines Porsche Cayenne GTS signalisierten uns, mit welchem Taxi wir es zu tun haben sollten. In seinem Auto lagen überall deutsche Accessoires. Ein Schal. Eine Sonnenbrille. Sogar der Hintergrund seines Handybildschirms. Deutsche Musik von Ich&Ich gab’s gleich noch gratis dazu. Wie abgefahren ist das bitte? Wir hatten drei Stunden Zeit, ehe wir wieder im Hotel sein mussten. Ghoulam bereitete kurzerhand eine Route durch die Stadt vor und stoppte zu allererst am Museum of Islamic Art. Was für ein Zufall. Er konnte das aus unserem Gespräch unmöglich gehört haben, das ist klar.


Wir schlenderten gemeinsam durch die wunderschön ausgeleuchteten Räume und betrachteten die beeindruckenden und spektakulären Exponate. Ghoulam sprach immer wieder über seine Zeit in Deutschland und über sein Leben in Doha. Wir begriffen so langsam, dass er wirklich nur Zeit mit uns verbringen wollte. Auch, um sein Deutsch am Laufen zu halten, aber hauptsächlich, weil er Deutschland einfach liebt und gastfreundlich sein wollte. Er sagte sogar ein wichtiges Meeting in der neurologischen Abteilung seines Hospitals ab. Es war wirklich höchst kurios.
Weltreise_Backpacking_Katar_Doha
Wir hatten anschließend noch etwas Zeit und fuhren gemeinsam in die wirkliche Altstadt von Doha. Ghoulam führte uns wie ein Reiseleiter durch die alten Gassen der Stadt, die in naher Zukunft nach und nach abgerissen werden. Die Regierung plant hier eine Altstadt zu errichten, die zwar nicht alt ist, aber zumindest den optischen Anschein macht. Stilistisch sollen alle Gebäude der Bauart der Old Souq angeglichen werden, einem wirklich schönen, traditionellen Handwerkermarkt. Niemand sprach uns dort an! Keiner wollte uns seine Waren anbieten oder verkaufen! Es schien, als würden wir mit Ghoulam an der Seite immun gegen jede Art von Verkaufsgesprächen zu sein.
Weltreise_Backpacking_Katar_Doha
Weltreise_Backpacking_Katar_Doha
Weltreise_Backpacking_Katar_Doha
Auf dem Rückweg zu seinem Auto, bat uns Ghoulam, für ihn einen deutschen Text zu formulieren, mit dem er sich bei UBER anmelden könne. Also der Taxi-App! Er will gerne darüber in Kontakt mit deutschsprechenden Gästen in Doha kommen. Welches Auto er hierzu wählen wolle? Ach, wenn es eine Einzelperson ist, würde er auch in seinem Sportwagen kommen, ansonsten in unserem Taxi. Es war kaum zu glauben, welche ehrliche und wirkliche Freude Ghoulam alleine dadurch hatte, mit uns Zeit in seiner Stadt verbringen zu können.

Man muss sich nur einmal die Reaktion vorstellen, wenn man ein UBER anheuert und liest, dass der Fahrer in einem Porsche Cayenne GTS kommt. Kaum vorstellbar!

Er lud uns anschließend ein, wieder nach Doha zu kommen, mehr Zeit mitzubringen, er würde sich um „alles Weitere“ kümmern. Bei dem Vorgeschmack müssen wir wirklich ernsthaft darüber nachdenken, einen längeren Aufenthalt in Doha einzulegen. Zum Abschied lud uns Ghoulam zu einem palästinensischen Falafel, seiner Meinung nach dem besten der Stadt ein und brachte uns zurück zum Hotel. Für seine Freunde und Kollegen schoss er noch zahlreiche Fotos und Selfies mit uns, als Beweis – wie er sagte – dass er nach Monaten endlich wieder Deutsche getroffen hat.


Er warf den Motor an und fuhr vom Hof. Wir mussten erst einmal Luft holen. Was war hier in den letzten drei bis vier Stunden eigentlich geschehen? Ein wildfremder Mann spricht uns in Doha alleine wegen unserer Sprache an, fährt uns in seinem Luxusschlitten durch die gesamte Stadt, zeigt uns Hotspots, Moscheen und das wahre Downtown. Lädt uns anschließend zum Essen und zu einem erneuten Besuch bei sich ein. Und das alles, ohne Haken? Ja, unglaublich!

Für die Fahrt zum Flughafen orderten wir uns noch einen Chickenburger To-Go, übrigens für schlappe 25 Euro das Stück aber wie heißt der Spruch mit dem „geschenkten Gaul“ noch so treffend? Das ganze Personal musste dann noch 15 Minuten abwarten, ehe unser Burger fertig war und damit auch wir bereit für den Check-Out und die Fahrt zum Airport.


Das war er. Unser Tag in Doha. Wir haben in einem exklusiven Luxushotel geschlafen. Wir haben gespeist wie die Götter. Wir wurden von einem vermutlich steinreichen Mann durch Doha kutschiert und haben in kurzer Zeit viele interessante Orte besucht. UND: Wir haben keinen einzigen Cent ausgegeben. Der Tag war von vorne bis hinten kostenlos, aber exklusiver als alles, was wir bisher erlebt haben.


MANCHMAL IST MAN EINFACH ZUR RICHTIGEN ZEIT AM RICHTIGEN ORT!
Weltreise_Backpacking_Katar_Doha

8 Comments

  1. Isabel sagt:

    Wow, was für eine Story! Echt abgefahren. 🙂
    Jetzt bin ich fast schon traurig, dass ich mit meinem Freund auf dem Weg nach und von Australien nicht einen längeren Stopp in Doha eingelegt habe. 😀 Na ja, man kann nicht alles haben. 😉 Aber sehr cool, was ihr da so erlebt habt!
    LG, Isabel

  2. Sabine Reichel sagt:

    Euer Reisebericht von Doha liest sich wie ein Märchen…….ich hätte Wolfgang Ambros zitiert: zwickts mi, i glaub, i draam ….toll, dass ihr das erleben durfte!!!!!!……weiter so 😉

  3. Christian sagt:

    …was eine geniale Story… …jetzt glaube ich wieder an Märchen… 🙂 Freut mich total für euch, dass ihr sowas erleben durftet, und auch zu schätzen wisst. Mir fehlen hier nur die Bilder von eurer Plünderung des Frühstücksbuffets *haha*
    Qatar Airways ist wirklich eine tolle Airline, und beim Service lassen die sich nicht lumpen… …ich kam auch mal in den Genuss einer kostenlosen StopOver Übernachtung in Doha, weil ich meinen Anschlußflieger verpasst hatte, bzw. Qatar den etwas zu schnell hat wegfliegen lassen 😉 so hatte auch ich einen ganzen tollen Tag in Doha für mich incl. Hotelübernachtung, und meinen Weiterflug nach D hat Qatar mir dann noch von Eco auf die Business gebucht… Manchmal „läuft’s“ halt im Leben… Das wünsche ich euch nun auch, weiterhin alles alles Gute und eine spannende Reise!!! Christian

    • Christoph sagt:

      Servus Christian,
      Das ist natürlich auch richtig geil so ein Upgrade, da träumen wir auch schon davon 🙂
      Von der Plünderung gibt’s natürlich keine Bilder. Wir haben nicht mal welche vom Zimmer gemacht weil wir so geflasht waren und auch so müde gleichzeitig ☺️
      Das machen wir dann, wenn wir nochmal in den Genuss kommen 😀
      Viele Grüße
      Nira und Christoph

  4. Miss Brownie sagt:

    Das ist wirklich ein Wahnsinnserlebnis 😀 sowas ähnliches ist uns auch mal in Paris passiert. Das war aber ein ehemaliger Soldat der lange in Deutschland war. 🙂 die Melia Hotels sind aberauch absolut toll! Viel Spaß noch auf eurer Reise ❤

    • Christoph sagt:

      Hey Miss Brownie,
      Du hast Recht. Sowas, wie das Melia haben wir vorher noch nie erlebt. Wir müssen heute noch ungläubig lachen, wenn wir an den Tag denken 🙂
      Viele Grüße
      Nira und Christoph

Schreibe uns gerne einen Kommentar zu diesem Beitrag