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Unsere Tipps für deinen Aufenthalt in Hsipaw


Unterkunft: Red Dragon Hotel*- Saubere Zimmer, schöner Ausblick auf den Fluss, Roof-Top-Frühstück inklusive

Essen/Trinken: Mrs. Popcorn - Überragende Fruchtsäfte und Smoothies, leckerer Kaffee, israelisches und traditionelles Essen
Hsipaw gehört nicht wirklich zu den gängigen Zielen eines Myanmarreisenden. Die meisten Touristen gehen, wenn sie trekken wollen, nach Kalaw und marschieren von dort zum Inle-Lake. Es war aber wirklich auffallend: Wenn wir Leute getroffen haben, die den Trek in Hsipaw gemacht haben, dann waren die Erzählungen ihn Ausnahme überschwänglich. Bei den Kalaw-Berichten klang schon immer wieder durch, dass es schon etwas touristisch ist und man mit großen Gruppen unterwegs ist. Da wir ausreichend Zeit mitgebracht haben und große Lust hatten, mal wieder eine Kilometer durch die pure Natur zu treiben, entschieden wir uns für die Fahrt nach Hsipaw.


Zugfahrt von Mandalay nach Hsipaw

Von Mandalay aus ging es um 4:30 am Morgen mit dem Zug in Richtung Hsipaw. Es sollte eine lange, abenteuerliche Fahrt werden. Voraussichtlich 12-13 Stunden. Durchschnittsgeschwindigkeit etwa 10km/h. Ein guter Marathonläufer wäre vermutlich doppelt so schnell in Hsipaw angekommen, als unser Zug.

Dafür entschädigt schon die Aussicht während der Zugfahrt für alles. Es geht vorbei an Feldern, Bergen, Tälern und Dörfern. Hier leben die Menschen teilweise noch in ihrer Ursprünglichkeit mit der Natur. Ganz einfach und wirklich inspirierend.
Weltreise_Backpacking_Myanmar_Hsipaw
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Gegen Ende der Fahrt wird es dann besonders luftig. In 250 Metern Höhe geht es über das einspurige Goteik Viadukt, der höchsten Brücke Myanmars. Im Schritttempo, so dass alle mit Höhenangst auch möglichst lange etwas von dem Erlebnis haben. Es knackt und knarzt bei jedem zurückgelegten Meter Gleis. Der Wind faucht durch die Metallkonstruktion. Nach etwa 700m ist es geschafft. Dass am Ende der Brücke grüne Fahnen geschwenkt werden, könnte den Eindruck vermitteln, dass die erfolgreiche Überfahrt kein Selbstverständnis ist.


Let’s go trekking

Nach unserer Ankunft in Hsipaw am Nachmittag organisierten wir gemeinsam mit Julia, die wir ja bereits in Bagan kennengelernt haben, unsere Trekking-Tour für den Folgetag. Zugegeben, Julia hatte schon extreme Vorarbeit geleistet. Wir mussten eigentlich nur noch nickend zustimmen. Ursprünglich wollten wir den etwas teureren (70.000 Kyat für 3T/2N) Trek mit Mr. Bike machen, der bekannt für einen besonders abenteuerlichen Trek, Übernachtung in Hängematten und lokalen Geheimtipps ist. Leider hat das zeitlich nicht geklappt, da Mr. Bike zu unserer Ankunft in Hsipaw bereits auf einem längeren Trek unterwegs war.

So haben wir uns für den günstigeren Trek (40.000 Kyat) bei Mr. Charles Hotel entschieden und sollten es nicht bereuen.


Nach dem Frühstück ging es los. Das schöne war: Da sich insgesamt zehn Leute für den Trek bei Mr. Charles angemeldet hatten, wurden wir in zwei Fünfer-Gruppen aufgeteilt. Unsere Gruppe wurde von Milena aus Polen und Galia aus der Ukraine komplettiert.
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Unser Guide hieß Sei Win Aung, kurz Win. Er sprach ein wirklich gutes und verständliches Englisch und wusste wahnsinnig viel über die Geschichte, Kultur und die Tradition der Shan. Win ist ein Shan. Die Shan ähneln in ihrer Tradition und den Riten den Thai. Der Shan-State im Norden ist der größte Staat Myanmars und die Menschen dort sind zum großen Teil in der Landwirtschaft tätig.

Myanmar wurde früher (13. Bis 16. Jahrhundert) von Shan dominiert. Mitte des 20. Jahrhundert, als Shan-State sich von Myanmar abspalten wollte, putschte das Militär, um eine Abspaltung zu verhindern. Die damaligen Führungskräfte der Shan wurden verhaftet und ermordet. Seitdem besetzt das Militär den Shan-State. Viele Traditionen der Shan wurden verboten (etwa das Tragen der traditionellen Shan-Kleidung) und Rechte abgeschafft. Dieses Jahr (1962) schwebt über dem Staat wie ein Damokles-Schwert. Man spürt es in jeder Erzählung von Win. Die Shan haben nicht vergessen, was vor weniger als 70 Jahren passiert ist und bis heute anhält. Noch immer herrschen Kämpfe für Unabhängigkeit im Shan-State und in einigen, sog. Free Fire Zones darf das Militär auf alles schießen, was sich bewegt.

Ein weiteres Problem im Shan-State ist der Anbau von Opium im Norden. Auch hier kommt es immer wieder zu Kämpfen zwischen Interessensgruppen oder zu Raubüberfällen auf Opium-Plantagen.

Deswegen ist es ausdrücklich empfohlen, das Hochland von Hsipaw nicht ohne Guide zu bereisen. Einige Landstriche sind sogar absolut verbotene Zonen. Shan-State ist auch heute noch ein Krisengebiet. Uns wurde immer wieder erzählt, dass keine der Parteien ein Interesse daran hätte, Ausländer oder Touristen in ihren Konflikt zu involvieren. Dennoch bleibt ein kleines Unwohlsein zurück, wenn man an militärischen Grenzposten vorbeiläuft, Mopeds mit Maschinengewehren an einem vorbeifahren oder Win auf Wege deutet, deren Begehen zu gefährlich wäre.
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ABER. Wir haben wirklich immer sicher gefühlt und die Natur, die Ruhe, die Menschen in den Dörfern, die unendlichen Weiten des Hochlands und das Gefühl von purer Ursprünglichkeit machen den Trek zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Pro Tag legten wir etwa 15 Kilometer zurück. Das waren angenehme Distanzen, die dennoch schweißtreibend und kräftezehrend waren. Aber ein Trekking ist schließlich kein Strandurlaub.
Das alltägliche Leben und die Kultur der Menschen in den Dörfern scheint noch gänzlich unberührt vom Tourismus. Das ist das echte Leben im Hochland Myanmars. Natürlich kommen wir nicht „ohne Vorwarnung“ in irgendein Dorf und natürlich profitieren auch unsere Gastgeber von unserem Besuch. Dennoch, das macht die Erfahrung nicht weniger authentisch. Wir lebten gemeinsam mit den Familien in deren Häusern, aßen gemeinsam an deren Feuerstellen und genossen gemeinsam am Lagerfeuer die unverschleierte Schönheit des Sternenhimmels. Ohne Zweifel war das Essen in den Dörfern des Hochlands das beste Essen, das wir in Myanmar genießen durften. Die Dorfbewohner arbeiten mit dem, was sie in ihren Wäldern finden oder auf ihren Feldern anbauen. Unsere Speisen waren fast ausschließlich vegetarisch, super frisch und geschmacklich wirklich nicht zu toppen. Wer also Bedenken hat, was die Ernährung auf dem Trip betrifft, dem können wir reinen Gewissen sagen: Keine Sorge, alles top!

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Ganz besonders in Erinnerung blieben uns die Begegnungen mit den Kindern in den Dörfern. Sie verleihen den Dörfern ihr Lächeln und brechen jedes Eis sofort. Sie rennen auf die Wege, wenn wir uns ihren Dörfern und Häusern nähern. Winken. Lachen. Spielen.
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Hier in Hsipaw werden vor allem Tee, Mais, etwas Reis und vereinzelt andere Gemüsesorten angebaut. Das Landschaftsbild wechselt mit den Jahreszeiten. Im Winter, also von November bis Februar sieht man kaum Maisfelder und die Teebäume beginnen erst sehr langsam zu sprießen.


Insgesamt war der Trek in Hsipaw für uns eines der Highlights unserer Reise durch Myanmar. Es gehört nicht zum „Standardprogramm“ der sog. Big-Four (Yangon, Bagan, Mandalay, Inle-Lake), die nahezu jeder Reisende in Myanmar besucht und das macht sich auch wirklich im Ort und ganz besonders auf dem Trek bemerkbar. Wir sind ganz selten anderen Touristengruppen begegnet. Sicherlich auch, weil wir mit dem 3-Tagestrip den längeren Trip gewählt haben, aber einfach auch, weil Hsipaw nicht von vielen Touristen aufgesucht wird. Wir waren selbst verwundert, als wir gehört haben, dass der Tourismus hier sogar abnimmt, da die Natur, die Landschaft und vor allem die Menschen hier wirklich besonders sind.

Wir hatten einen fantastischen Guide, der wirklich gut in die Kommunikation zur Sicherheit seiner Gruppe integriert war. Wir hatten niemals das Gefühl in Gefahr zu sein und würden jedem empfehlen, den Umweg über Hsipaw auf sich zu nehmen. Es lohnt sich wirklich total!


Es ist möglich, wenn auch nicht ganz so einfach, wie es der Blick auf die Karte vermuten lässt. Es GIBT einen Nachtbus von Hsipaw zum Inle-Lake. Leider fahren alle Busse ohne Ausnahme über Mandalay, da die Straßen direkt zum Inle-Lake selbst für die wahnsinnigen Busfahrer nicht befahrbar scheinen. So wird aus einer Strecke von etwa 300km gerne eine Strecke von über 500km und einer Fahrzeit von etwa 13 Stunden. Genau das haben wir also auf uns genommen, um zum Inle-Lake zu fahren.
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