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Autokauf in Christchurch – Endlich wieder Roadtrip!

Weltreise_Backpacking_Neuseeland_Akaroa
Wir zählten noch einmal gemeinsam alle Scheine. Vier Augenpaare blickten konzentriert auf meine Finger. Dann streckte ich meine Hand aus. Das Geldbündel verließ meine Hand. Kurz darauf gestellte sich ein Schlüsselbund zu meinem Handgelenk. Ich blickte Nira an und wir strahlten über beide Ohren.

Wir haben uns unser erstes gemeinsames Auto gekauft! In Neuseeland. In Christchurch!


Unser Auto ist aber nicht nur ein Auto. Es ist unser zu Hause für die nächsten acht Wochen. Wie es dazu gekommen ist, dass wir bereits am zweiten Tag in Neuseeland ein günstiges Auto gefunden haben und wo die Reise als erstes hingegangen ist? Die Antwort gibt’s in diesem Blogbeitrag!


Man kann sich kaum vorstellen, wie weit Neuseeland von zu Hause entfernt ist. Selbst, wenn man bereits in Kuala Lumpur am Flughafen sitzt, liegt Neuseeland immer noch gute 12 Flugstunden entfernt. Wahnsinn.

Wir hatten die Tage in Kuala Lumpur genutzt, um über Facebook Kontakt zu anderen Backpackern aufzunehmen, die gerade ihr Auto verkaufen wollten. Wir hatten einige Treffen vereinbart, um möglichst schnell ein passendes Auto für uns zu finden. Aufgrund der Preisunterschiede haben wir schnell beschlossen, dass wir das Auto nicht in Auckland, sondern in Christchurch kaufen werden.


Die Anreise war diesmal wirklich unbequem. Lange Flüge hatten wir in unserem Reiseleben bisher ausschließlich mit Schnäppchen der arabischen Flug-Elite zurücklegen dürfen, bei der Komfort und Service großgeschrieben wird. Diesmal hieß der Dienstleiser Air Asia X. Kein Essen, kein Entertainment, Beinfreiheit Fehlanzeige. Nicht einmal eine Flasche Wasser gab es gratis für den Flug über Gold Coast nach Auckland. Holzklasse, wie es im Lehrbuch steht, aber ok, dafür war der Preis unschlagbar.


Von Auckland aus ging es einige Stunden später direkt nach Christchurch. Am Flughafen in Auckland wurden wir direkt unsensibel an das neue Preisniveau herangefügt. Man könnte auch sagen, dass wir metaphorisch mit dem Kopf auf den Tisch aufgeschlagen sind, als wir für zwei Sandwiches umgerechnet 11€ hingeblättert haben. Für das Geld haben wir in Südostasien einen ganzen Tag geschlemmt. Wer nach Neuseeland will, sollte sich dessen aber bewusst sein.


Ankunft in Christchurch

Mit dem letzten Bus ging es vom Flughafen in Christchurch zu unserem Viertel. Wir hatten uns für drei Tage in Christchurch eine Airbnb Unterkunft genommen, da selbst ein Bett mit Schlafsaal in Neuseeland – gerade zu dieser Jahreszeit (Sommer!) – wahnsinnig teuer ist. Hier sollte es also geschehen. Hier wollten wir unser Auto kaufen.


Damit diese Mission gelingen konnte, mussten wir aber erst einmal eine andere Hürde meistern. Den Hausschlüssel unserer Wohnung irgendwo in einem Fach im Garten finden. Mitten in der Nacht.

Gefunden haben wir das Kästchen auch Minuten später nicht. Ein beherzter Griff an der Haustüre verhinderte aber, dass wir im Freien schlafen mussten. Es war nicht abgesperrt.

Direkt im Eingangsbereich stand unser Schlafsofa. Übrigens direkt neben einem anderen Schlafsofa, auf dem unser Bettnachbar auch direkt aufgeschreckt ist, als wir zur Türe hereinschlichen.

Backpacks in die Ecke. Pulli aus. Kurz noch im Dunkeln das Bad finden. Gute Nacht.


Tage des Autokaufs

Ich öffnete meine Augen. Um uns herum hatte die restliche Wohnung den Tag scheinbar längst begrüßt. Ein Blick auf mein Handy. 9:21 Uhr. Ich drehte mich zu Nira. „Wann kommt nochmal das erste Auto? – Um 12:00 Uhr.“


Wir hatten mit allen Anbietern vereinbart, dass sie mit ihrem Auto zu uns vor die Haustüre fahren. Sie sind mobil. Wir nicht. Das war auch für alle ok. Gerade zum Ende der Sommerzeit in Neuseeland (Februar bis April) verlassen extrem viele Backpacker die Insel. Das bedeutet auch, dass extrem viele Backpacker ihr Auto verkaufen wollen. Da nur wenige nachkommen, ist das Angebot gewaltig und die Nachfrage sehr gering. Perfekte Bedingungen eigentlich – also für uns!


Wir kassierten an Tag eins nur eine Absage. Die übrigen Angebote haben wir uns im Zwei-Stunden-Takt gemütlich angeschaut. Alle waren voll ausgestattet mit sämtlichem Camping-Equipment, eingebautem Bett und aktuellem WOF (vergleichbar mit dem deutschen TÜV). Schon am ersten Tag hat uns ein Van besonders zugesagt.


Am späten Nachmittag haben wir uns nach den Besichtigungen zwei Fahrräder unseres Hosts geschnappt. Mehr zufällig sind wir nach einem kurzen Einkauf an einen Fluss geraten, an dem eine Rudermannschaft gerade die letzten Sonnenstunden für ein Training nutzte.

Eine unfassbare Idylle, in der wir hier gelandet sind.

Noch am Abend haben wir selbst zwei Leuten abgesagt, die lediglich einen Kombi verkaufen wollen. Uns war – besonders nach den ersten Besichtigungen – klargeworden, dass wir ausreichend Stauraum UNTER dem Bett für unsere Backpacks und das Camping-Equipment benötigen werden. Ein Kombi könnte hier nicht denselben Platz bieten, wie ein Van!

So stand nur noch eine Besichtigung für den nächsten Tag an. Als dann auch das letzte Fahrzeug aus unserer Einfahrt hinausgefahren war, haben wir uns für die Entscheidung einen besonderen Ort ausgesucht. Wir sind nach New Brighton gefahren, um das erste Mal in unserem Leben den Pazifik zu sehen. Ein Wort: Beeindruckend!

Weltreise_Backpacking_Neuseeland_Christchurch
Weltreise_Backpacking_Neuseeland_Christchurch
Wir spazierten kurz den Steg entlang hinaus auf’s Meer. Die Wellen waren wirklich viel größer und stärker, als wir sie kennen. Kein Wunder, dass auch einige Surfer die Gelegenheit genutzt haben, auf den Wellen zu reiten. Wir gingen noch einmal die Vorzüge und Nachteile aller Autos durch. Und dann haben wir uns entschieden.

Tada, unser neues zu Hause!(Wenn du auf den Beitrag geklickt hast, hast du es ja gleich gesehen)

Warum haben wir uns für dieses Auto entschieden?

Das hat mehrere Gründe. Erstens – und das war uns mit Abstand am wichtigsten – war es das günstigste Angebot von allen Vans, die wir angeschaut haben. Zweitens hatte das Auto gerade einen neuen WOF bekommen und drittens war alles an Equipment vorhanden, was wir uns vorgestellt haben. Auch das Bauchgefühl hat bei diesem Auto zugestimmt.

Der Honda hat mit seinen 22 Jahren schon fast 300.000 Kilometer absolviert.

Es wird wohl kaum ausbleiben, dass wir noch den ein oder anderen Dollar in das Auto reinstecken müssen, selbst in den zwei Monaten, aber wir haben es vorgezogen, lieber ein günstigeres Auto zu kaufen und dann Puffer für Reparaturen zu haben, als von vornherein ein teureres Auto zu nehmen und dann zu hoffen, nichts reparieren zu müssen.


Noch am selben Nachmittag fuhren wir zu Pak’N’Save und Warehouse, um uns mit Lebensmitteln und ein paar wärmeren Sachen für den Süden auszustatten.

Gerade bei den Lebensmittelkäufen profitierten wir wirklich von den Erfahrungen unseres Roadtrips in Afrika. Was braucht man, was macht satt und was geht nur kaputt!


Christchurch – Gezeichnet von Erdbeben

Bevor wir am nächsten Morgen aus der Stadt fuhren, haben wir uns erst einmal noch die Zeit genommen, zu sehen, was Christchurch zu bieten hat. Wir haben die Stadt bisher als unfassbar grün, ruhig und friedlich kennengelernt, aber im Stadtkern zeigte sich ein ganz neues Gesicht. Dazu muss man wissen, dass die Stadt am 22.2.2011 von einem verehrenden Erdbeben heimgesucht wurde und seitdem mit dem Wiederaufbau der zerstörten Gebäude beschäftigt ist. Selbst die große Kathedrale am Cathedrale Square konnte diesem Beben nicht standhalten.

Christchurch wirkt wie ein Freilichtmuseum. Nicht, weil es lauter Ruinen und zerstörte Gebäude vorzuweisen hat. Ganz im Gegenteil. Die ganze Innenstadt ist ein einziges Kunstwerk. Überall erwecken aufwändige und bunte Graffitis die zerstörten Gebäude und kahlen Wände zu neuem Leben. Die ganze Stadt ist voll davon. Dazu kommt mit der New Regent Street die womöglich schönste Straße Neuseelands.

Uns hat es sehr beeindruckt, mit welch unermüdlichem Einsatz die Stadt wiederaufgebaut wird und wie gleichzeitig durch die Integration von Kunst und Spontanität ein junges Stadtbild entsteht.

Weltreise_Backpacking_Neuseeland_Christchurch
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Besonders spürbar werden die Folgen des Erdbebens von 2011 an den 185 empty chairs direkt hinter der provisorischen, aber nicht weniger schönen Übergangskirche in der Manchester Street. Hier erinnern 185 leere, weiße, völlig unterschiedliche Sitzgelegenheiten, an die Opfer des schweren Erdbebens von 2011. Die Stühle stehen dabei für die Unterschiedlichkeit und die Individualität jedes Einzelnen.

Wir haben Christchurch als wirklich schöne und lebenswerte Stadt kennengelernt, die sich von immer wiederkehrenden Erdbeben nicht kleinkriegen lässt. Wir hatten auch das Gefühl, dass in der Stadt ein großer Zusammenhalt herrschen muss. Umgeben von stark beschädigten Gebäuden wurde im Stadtkern beispielsweise die Container-Mall errichtet.

Hier reihen sich kleine Baucontainer aneinander, die Shop-Besitzern die Möglichkeit einer Verkaufsfläche bieten. Wer jetzt denkt, die Aufmachung hat Baustellencharakter, der täuscht sich. Die Lösung ist super stylisch und innovativ.

Auch die Art und Weise, wie Trauer und Zerstörung hier kunstvoll verarbeitet werden, ist eine sehr inspirierende. Man muss dabei kein Kunstliebhaber sein, um von der Stadt begeistert zu sein.


Road to Akaroa

Dann ging es wirklich raus aus der Stadt. Unser erstes Ziel war das kleine Örtchen Akaroa im Osten Christchurch’s an einer Mündung des Pazifiks gelegen. Schon der Weg versprach genau das, was man sich von Neuseeland verspricht. Berge, Felder, Wälder und, natürlich, jede Menge Schafe. Davon gibt es in Neuseeland nämlich mehr, als von Unseresgleichen.

Nachdem wir unseren Van direkt am ersten Tag direkt auf die erste Anhöhe getrieben haben, wurden wir auch gleich von dieser unfassbar schönen Aussicht überrascht. Genau diese Situationen haben wir uns gewünscht, als wir Neuseeland in unsere Route aufgenommen haben. Naturschauspiele pur.


Akaroa hat ursprünglich lediglich 600 Einwohner. Da es aber einfach so wunderschön ist, kommen jährlich tausende Menschen in das Örtchen, um genießen zu können. Auch von der anderen Seite, dem Stony Bay Peak hat man eine unfassbare Aussicht. Nicht nur aus Akaroa und die Bucht, sondern sogar auf den offenen Pazifik.

Um unser Auto nach den vielen Höhenmetern durchschnaufen zu lassen, haben wir auch gleich an Tag eins unseres Roadtrips den ersten Trek eingelegt. Zugegeben, die „Wanderung“ dauerte etwa 10 Minuten, dafür ging es gefühlt senkrecht den Berg hinauf. Grund unseres kleinen Spaziergangs war Newton’s Waterfall, ein kleiner Wasserfall umgeben von dichter Bewaldung.

Immer noch high von den Eindrücken des ersten Tages rollten wir am Abend in Leeston südlich von Christchurch auf unserem ersten Free-Camp. Wild Campen ist in Neuseeland verboten, umso cooler finden wir die Lösung, den vielen Touristen freie Campingflächen zur Verfügung zu stellen. Natürlich ist die Versorgung hier eine andere, als an einem kostenpflichtigen Campingplatz. Kein Strom. Kein Licht. Keine Dusche. Kein Netz.

Sehr spartanisch oder – wie wir es nennen – Natur pur!


Für unsere erste Nacht in der Freiheit Neuseelands aber genau das Richtige!

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