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Auf dem Weg zum Lake Clearwater

Der Tag begann fabelhaft. Genau so haben wir uns diesen Roadtrip durch Neuseeland erwünscht. Auf unserem ersten Free-Campingplatz war bereits munteres Abreisen angesagt, als wir unsere Vorhänge zurückwickelten und den Tag begrüßten. Gaskocher an. Wasser aufkochen. Haferflocken mit Himbeer-Marmelade, Banane und Zimt. Dazu eine Tasse Kaffee. Wunderbar.


Unser Tagesziel lag keine 80km von unserem Stellplatz entfernt. Lake Clearwater. Was für ein vielversprechender Name. Ganz in der Nähe befindet sich zudem Mount Sunday. Am Fuße dieses Berges lag in der „Herr der Ringe“-Trilogie Rohan, das Reitervolk.

Bevor es losging, spülten wir noch gemeinsam unser Geschirr ab. Nira hatte offensichtlich das Gefühl, dass wir zu viel Ballast an Bord haben und ließ kurzerhand den Nudelsieb, eine (neu gekaufte) Tupperbox und unseren Schwamm am Waschbecken zurück. Wie es dazu kommen konnte, haben wir bis heute noch nicht eruieren können.


Am späten Vormittag starteten wir dann die Motoren in Richtung Lake Clearwater. Das Schöne an Neuseeland ist vor allem, dass man nicht nur an wunderschöne Orte fahren kann, sondern dass auch die Wege dorthin bereits wahnsinnig faszinierend sind.
Hinter Mt. Sumers, einem kleinen Örtchen am Fuße des – wer hätte es erraten – Mount Sumers endet die Asphalt-Straße. Die letzten Kilometer nach Lake Clearwater geht’s geschottert weiter. Die Aussicht ist spektakulär. Am Horizont schieben sich die Alpen Neuseelands in die Höhe. Ihre Gipfel sind teilweise schneebedeckt, während wir einen angenehmen Spätsommertag bei 24 Grad im Tal genießen.

War es das jetzt mit dem Roadtrip?

Dann der Schock. Wir waren keine 300 Meter mehr von Lake Clearwater entfernt. Das Ortschild war bereits überquert, da passierte es.

Es ging absolut nichts mehr! Wir standen und bewegten uns keinen Meter mehr!

Sofort spukten uns die größten Horrorszenarien durch den Kopf.

Haben wir uns eine Schrott-Karre gekauft? Ist das Auto nicht mehr als eine Ruine? War’s das jetzt mit unserem Roadtrip?


Wir öffneten die Motorhaube. Aus einer Öffnung am Radiator pfiff es wie aus einem alten Teekocher. Es war kochend heiß im Motorraum. Erst jetzt bemerkten wir, dass hier bereits provisorisch versucht wurde, eine Bruchstelle zu schließen.

Der Grund, weshalb wir stehen geblieben sind war also klar: Unser Motor hatte sich überhitzt. Die Kühlflüssigkeit war gänzlich leer.


Was tut man am besten in einer solchen Situation? Am besten schnappt man sich – wie wir – erst einmal die Reste des Frühstücks vom Morgen, setzt sich an den Lake Clearwater und gibt dem Auto die Gelegenheit abzukühlen.

Doch wie soll es jetzt weitergehen? Laut den Kiwis, die wir gefragt hatten, lag die nächste Werkstatt 40 Kilometer entfernt. Auch, wenn alle wirklich hilfsbereit waren, kannte sich keiner wirklich mit Autos aus. Wir am allerwenigsten.

Wir hatten keine Wahl. Wir mussten irgendwie versuchen, zu dieser Werkstatt in Methven zu kommen, also starteten wir unseren Van erneut. Er sprang normal an. Gas geben ging auch. Wir fuhren einige hundert Meter. Plötzlich schoss die Nadel der Temperaturanzeige des Motors in die Höhe. STOP!

Wenn wir in diesem Zustand weiterfahren würden, wäre das das Ende unseres Motors. Wenige Minuten später stoppten zwei Kiwis, die gerade auf dem Weg zum Angeln waren, um uns zu helfen. Auch sie waren keine Automechaniker, aber sie hatten die Lösung für uns: Kühler bis zum Anschlag mit Wasser füllen, Heizung voll aufdrehen und Gas geben bis der Arzt kommt. Achso ja: Und natürlich hoffen, dass wir bis nach Methven mit dieser Taktik kommen.


Die Fahrt war der Horror. Innerhalb kürzester Zeit hatte es tropische 30 Grad in unserem Auto, doch die Heizung im Auto kühlt den Motor ab, so die Theorie der Kiwis. Jeden Moment rechneten wir damit, dass die Temperatur-Nadel wieder einen Satz machen würde, wir erneut stoppen müssten... Viele Wenn’s und Dann’s, doch wir schafften es nach Methven zur Autowerkstatt.


Heute schon geschlossen – kommt Montag wieder!

Was fehlt an solch einem Tag noch? Na logisch! Man kommt an die einzige Autowerkstatt in 80-100km Umkreis und diese ist geschlossen. Bingo!

Ok, Ruhe bewahren.

Zu einer anderen Werkstatt fahren? Wäre eine Option gewesen, wenn es eine gegeben hätte. Alle Alternativen waren einfach zu weit entfernt. Samstagnachmittag. Keine gute Zeit für einen Werkstattbesuch in Neuseeland.

Hier in Methven ein Zimmer in einem Hostel nehmen und bis Montag warten? Geiz ist auch in einer Notlage wie dieser geil. Wir würden am Montag noch genügend Geld ausgeben.

Also suchten wir die Umgebung auf WikiCamps nach nahegelegenen Campingplätzen ab, die im besten Fall noch kostenlos sind.

(WikiCamps ist der Camping-Begleiter schlechthin in Neuseeland. Über zig Filterfunktionen findet jeder den geeigneten Campingplatz für seine Vorstellungen, ob kostenpflichtig oder kostenlos, mit Strom/Wasser/Wlan oder eben nicht.)

Der nächste, kostenlose Stellplatz lag 35km entfernt. Wir füllten den Kühlbehälter wieder voll mit Wasser, starteten den Motor und riskierten es. Natürlich fing es in diesem Moment auch an, hemmungslos und unerbittlich zu regnen. Super!

Die Nadel in der Anzeige verweilte jedoch konstant im risikolosen Bereich. Die Liter an Wasser, die wir dem dürstenden Motor zugeführt hatten, schienen ihren Dienst zuverlässig zu verrichten. So zuverlässig, dass wir uns sogar auf dem Weg noch für einen anderen Stellplatz entschieden, da der erste irgendwie „keinen offiziellen Eindruck“ auf uns machte.

Oh, eisblauer Rakaia-River

Wir schliefen bis 11:30. Ohne Not. Heute stand nichts auf der Tagesordnung. Wohin soll man auch fahren mit einem Fahrzeug, dessen Motor jeden Moment wie ein Brennofen lodern könnte. Zudem regnete es die gesamte Nacht hindurch und auch mit dem Moment unseres Erwachens hatte der Regen nicht nachgelassen.


Nach dem Frühstück hatten wir uns aber dennoch dazu entschieden, uns Methven wieder zu nähern und die eine Nacht auf Montag an einem kostenpflichtigen Campingplatz zu verbringen. Distanz 65 Kilometer. Wir hatten uns ja am Tag zuvor doch weiter von Methven entfernt, da wir ein gutes Gefühl mit unserer Wasser-Kühler-Taktik hatten.

Campsite Rakaia Gorge ist direkt am Rakaia-River gelegen und lediglich 20km von Methven entfernt. Wenn man bedenkt, welch spektakuläre Aussicht man von diesem Campingplatz aus genießen kann, sind 8,50$ pro Person wirklich gut invertiertes Geld.

Das Wetter war zwar auch dort nicht besser, aber für das Wohlgefühl war es ein Quantensprung.

Weltreise_Backpacking_Neuseeland_Lake_Rakaia
Weltreise_Backpacking_Neuseeland_Lake_Rakaia
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Gegen schlechtes Wetter kann man sich anziehen. Wir haben zwar keine Winterkleidung dabei, aber immerhin haben es zwei Regenjacken in die Backpacks geschafft. So konnten wir die Umgebung erkunden und die hatte es mal so richtig in sich. Der Rakaia-River sieht aus, wie ein riesiger Haufen Eisbonbons. Nie zuvor haben wir einen Fluß gesehen, der so eine türkise Farbe hatte.
Selbst bei diesem bescheidenen Regenwetter leuchteten die Farben des Flusses ganz hell. Es war ein herrlicher Anblick. Das Wasser des Flusses war kristallklar. Selbst bei heftiger Strömung konnte man den Boden sehen. Für ein paar Stunden vergaßen wir das Problem mit unserem Auto und konnten die Schönheit der Natur Neuseelands genießen.

Das Ergebnis aus der Werkstatt

Der Judgement-Day war gekommen. Montag früh pünktlich zur Öffnung der Werkstatt standen wir mit unserem Van bereit für das Urteil. Und...?

Nach drei Stunden des Wartens im Café um die Ecke kam die Nachricht: Leute, euer neuer Radiator mit Kühler inklusive Einbau kostet 304$.

AUFATMEN!

Der kleine Haken. Die Teile müssen über Nacht bestellt werden. Wir müssen noch einmal wiederkommen. Aber wichtiger als alles andere war für uns die Gewissheit, dass wir bald weiterfahren können und sich die Reparatur finanziell im Rahmen hält. PUH!

Doch noch Mt. Sunday

Mit ausreichend Kühlwasser war es auch möglich, den Tag nicht gänzlich ins Leere ziehen lassen zu müssen. Wir haben beschlossen, doch noch an den Mt. Sunday zu fahren. Der Felsen in dieser traumhaften Kulisse ist – wie schon erwähnt – Schauplatz des zweiten Teils der Herr der Ringe Trilogie. Man muss aber kein Fan dieses Epos sein, um die Landschaft zu lieben.
Weltreise_Backpacking_Neuseeland_MtSunday
Mt Sunday 5
Wir haben einige Stunden dort verbracht. Die Landschaft ist atemberaubend und – warum auch immer – nur wenige Menschen nehmen den Schotterweg auf sich. Zu einem vernünftigen Trek von Nira & Christoph gehört natürlich dazu, dass man sich auch ein bisschen verläuft. In dem hohen Gras ist das auch gar nicht schwer.
Den Abend haben wir übrigens an unserem bisher schönsten Freecamp am Lake Camp verbracht. Der liegt keine 20km südlich von Mt Sunday direkt am See. Die Ruhe, die Aussicht und die Natur, die uns umgaben, waren einzigartig schön.

Bis tief in die Nacht saßen wir hinter unserem Auto am See und sahen an den sternenklaren Himmel, der überfüllt war von Sternen. Es sind genau diese Momente, die Neuseeland so erlebenswert machen: Ein See, die Berge, ein sternenklarer Himmel und wir selbst davor.
Weltreise_Backpacking_Neuseeland_MtSunday
Weltreise_Backpacking_Neuseeland_MtSunday
Jetzt fahren wir unser Auto zum Auto-Doktor. Sein Name ist übrigens Johnny with a H. Dann geht es hoffentlich ohne Zwischenfälle und Offenbarungen weiter in Richtung Süden. Das Schöne ist: Wir haben nicht das Gefühl, in diesen Tagen Zeit verschwendet zu haben. Es war ein Schreck, das ist klar. Zum Glück ist alles noch glimpflich für uns verlaufen.

6 Comments

  1. Jessica sagt:

    Hallöchen ihr zwei… Ich musste ein wenig schmunzeln, da es uns in Neuseeland genauso erging. ☺️Wilma, unsere in die Jahre gekommene Estima-Dame, hat auch einige Male herumgedivt, sodass wir in die Werkstatt mussten… An den Schrecken kann ich mich noch sehr gut erinnern ? inzwischen lachen wir darüber und denke so gerne an die zwei Monate in Neuseeland und in der Wilma zurück ?

    • Christoph sagt:

      Hey Jessica,
      Ohje dann weißt du ja genau, wie wir uns gefühlt haben. Mittlerweile geht’s uns auch wieder gut mit unserem Auto, der Moment an sich war halt das ätzende ?✌?️
      Ich denke, wenn es dabei bleibt können wir in unseren Nacherzählungen auch genüsslich drüber lachen. Ging ja nochmal gut bisher ?
      Grüße
      Nira & Christoph

  2. Horst sagt:

    Hallo ihr 2!

    Gerade zufällig hier reingestolpert und mit euch gelitten!
    Schön, dass nun wohl wieder alles im grünen Bereich ist – auch die Temperatur eures Kühlwassers :).

    Have fun und schöne Reise noch
    Horst

    • Christoph sagt:

      Hallo Horst,
      Zufälle gibt’s !:)
      Scheint wieder alles zu laufen. Auch das Kühlwasser in geregelten Mengen 🙂 danke für deine Worte.
      Viele Grüße
      Nira und Christoph

  3. Jetzt habe ich endlich mal wieder Zeit gefunden hier reinzuschauen 😉
    Da ist ja ne Menge passiert, aber Leute – die Bilder sind mega und das sind Geschichten die ihr immer behalten werdet. Keine AHnung wie wir das gehandhabt hätten. Hoffe jetzt läuft´s erst einmal wieder problemlos weiter!
    Liebe Grüße an Euch!

    • Christoph sagt:

      Hey Mel,
      schön, dass du Zeit gefunden hast 🙂
      Ach das hättet ihr schon auch gepackt, da sind wir sicher. Danke für deine Worte. Die Natur ist unglaublich hier! Schön, wenn es auf den Bildern ein bisschen rüber kommt 🙂
      Viele Grüße von Mt Cook
      Nira & Christoph

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