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0, 26, 2200 und 3724 – Nira’s Geburtstag am Mount Cook (Aoraki) in Zahlen

Weltreise_Backpacking_Neuseeland_Mt_Cook
Wenn man ehrlich ist, gibt es doch nur zwei echte Optionen, wie man auf Weltreise einen Geburtstag verbringt, oder? Entweder man gönnt sich einen Tag voller Wohltaten, macht absolut Nichts, relaxt am Meer mit einer Kokosnuss in der Hand, lässt sich pflegen und verwöhnen und gönnt sich eine Kleinigkeit.

ODER man erlebt etwas ganz Besonderes. Etwas besonders Anstrengendes, Kräftezehrendes und Schweißtreibendes zum Beispiel. So wie wir an Nira’s Geburtstag auf unserer Weltreise.


Was gibt es Schöneres, als zum Geburtstag im Bett zu frühstücken? Richtig, zum Geburtstag im Bett frühstücken und dabei eine der schönsten Kulissen Neuseelands genießen. Den Pukaki Lake am Fuße des Mount Cook. Der Tag begann eisigkalt. Es lag eine dichte Nebeldecke auf dem See, der Mt. Cook ragte jedoch spektakulär durch die Wolkendecke hindurch.

Fahrt nach Mt. Cook

Dieser Geburtstag sollte ganz besonders werden. Wenn wir schon hier am Lake Pukaki sind, wollen wir doch bitte auch den Mt. Cook aus nächster Nähe sehen. Dass der Geburtstag neben dem besonderen Erlebnis, das uns durch die Natur geboten wurde auch ein besonderes Maß an Kraft und Schweiß kosten würde, war uns zu dem Zeitpunkt noch nicht klar.

Vom Lake Pukaki aus sind es etwa 60km zum Mt. Cook. Gerade, als wir auf die eindrucksvolle Strecke zum höchsten Berg Neuseelands eingebogen waren, gelang es auch der Sonne endlich, den Nebel zu vertreiben. Mit einem Mal war es wieder Sommer.

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3.724 – Mt. Cook, der höchste Berg Neuseelands

In dem kleinen Örtchen am Fuße des Mount Cook, der übrigens auch Aoraki genannt wird, angekommen, stellten wir doch wieder relativ schnell fest, dass (noch) Hochsaison in Neuseeland ist. Reisebus reihte sich an Reisebus auf dem großen Parkplatz. Von hier aus sind es etwa 3km bis zum KEA-Point, von dem aus man eine herausragende Sicht auf Mt. Sefton (3.151m) und den Mt. Cook (3.724m) haben soll. Klingt nach einem lohnenden Spaziergang.

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Der Weg dorthin ist wirklich angenehm zu laufen. Keine heftigen Anstiege, begehbare und präparierte Fußwege, so dass Jung & Alt die Aussicht auf die Gipfel und den Mueller-Gletscher am Mt. Sefton genießen können. Das letzte Stück hinauf zum KEA-Point führt durch ein Geröllfeld, an dessen Ende sich ein wahres Naturschauspiel befindet.
Wir hatten Glück. Als wir am KEA-Point ankamen, waren kaum Menschen dort oben. Es herrschte eine gespenstische Ruhe, die nur durch den Wind unterbrochen wurde. Bis sich der Berg zu Wort meldete. Wir hörten, wie in der Ferne mehrmals hintereinander Teile des Eises und des Gesteins aus dem Berg brachen. Es klang wie eine ferne Explosion. Irgendwie unheimlich, denn sehen konnten wir das Schauspiel nicht.
Wir verbrachten einige Zeit dort oben. Der Blick in die Ferne auf den Mt. Cook, die Geräusche der Berge, der Anblick des Gletschers und seiner Wasserfälle, die den Gletschersee aus allen Rinnen speisten hatten uns richtig gepackt.


Jetzt waren wir hungrig nach mehr. Wir wollten den ultimativen Ausblick. Wir waren ja nicht zum Sonnenbaden hergekommen, sondern wir wollten etwas erleben. Am besten etwas ganz Besonderes. Schließlich war immer noch Geburtstag.


Da kam die Info zu den Sealy Tarns ja wie gerufen. Eine Aussichtsplattform in etwa 1.300m Höhe direkt in der Nähe. Na worauf warten wir eigentlich noch?


Der Trek beginnt wenige hundert Meter entfernt vom KEA-Point. Eine Eigenschaft macht ihn zu einem ganz besonderen Superlativ unseres Reiselebens.

2.200 Stufen zu den Sealy Tarns

Kurzer Flashback. 2012. Krabi. Tiger Cave. 1.237 Stufen mussten wir überwinden, um den Gipfel dieses Tempels zu erklimmen. Bei rund 30 Grad hatten wir schon nach der Hälfte des Wegs das Gefühl, unsere Oberschenkel hätten sich zu einem der Affen an das Geländer gesetzt. Sie waren einfach nicht mehr spürbar.

Zurück in der Gegenwart. 2.200 Stufen. Das sind mal grob gerundet DOPPELT so viele Stufen, wie damals in Krabi am Tiger Cave. Wenn da bloß dieser Geburtstag mit seinem Besonderheits-Anspruch nicht wäre...


Vor der ersten Stufe machten wir kurz halt. Es war zwar keine 30 Grad war, aber sommerlich war es dennoch geworden am Nachmittag hier im Mount Cook Nationalpark. Schuhe nochmal ordentlich gebunden. Sonnenbrille auf. Ein letzter Schluck aus der Wasserflasche und dann rauf auf die ersten Stufen.

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Der Anstieg ist wirklich erbarmungslos. Wer zu früh zu viel will, wird schnell seine Grenzen kennenlernen. Wer mitzählen will, wird nach 200 Stufen auch den letzten Rest an Motivation verbraucht haben. Dafür entschädigt schon die Aussicht nach den ersten Minuten für die Qualen.
Irgendwann, wenn die Waden bereits zu Wackelpudding geworden sind, man vor lauter Licht-und-Schatten-Wechseln bereits fünfzehn Mal seine Jacke aus- und wieder angezogen hat und sich zum wiederholten Male klargemacht hat, dass wir nur noch zwei Müsli-Riegel in der Tasche haben, kommt sie dann endlich. Die Stufe, auf der steht, dass es jetzt nur noch 1.000 Stufen sind. Das kann doch nicht wahr sein!!

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Besonders motivierend sind auch die strahlenden Gesichter der Menschen auf dem Weg nach unten nicht. Erst Recht nicht, wenn dem Grinsen des Gegenüber so hilfreiche Hinweise wie „there are some more steps to the top“ oder „keep going – you finally reached the top“ über die Lippen schießen.


Endlich geschafft

Dann endlich kommt das Schild. Etwa 2.200 Stufen später. Sealy Tarns. Geschafft!

Im Nachhinein sagt sich das ja immer wie eine Floskel, aber hier stehen wir besonders hinter der Aussage:

Es ist hart, aber es lohnt sich absolut!

Die Aussicht ist wahnsinnig spektakulär. Man hat das Gefühl, der Mueller Gletscher ist zum Greifen nahe.
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Als wir dort oben im Gestrüpp lagen und die Aussicht genossen, ließ sich ein Gedanke nicht weiter verdrängen. Wir müssen auch wieder runter.

Wer hier oben noch nicht genug hat, der kann weitere 2 Stunden zur Mueller Hut hinauftrekken, die auf etwa 1.800 Metern gelegen ist und eine Nacht in luftiger Höhe verspricht. Diese weitere Herausforderung scheinen aber nur die Wenigsten auf sich zu nehmen.


Runter ist einfacher, als rauf

Der Weg nach unten ließ sich deutlich bequemer bewerkstelligen, als der in die andere Richtung. Besonders, weil man nun endlich selbst in der Rolle des grinsenden Entgegenkommenden ist. Wichtig für den Weg hinab ist, nicht stehen zu bleiben. Bei jeder kurzen Pause vibrierten unsere Beine wie Pürierstäbe. Wir warten schon zu diesem Zeitpunkt froh, dass Samweiß, unser Van ein Automatik-Getriebe hat und keiner von uns Beiden heute noch kuppeln musste.
Das beste Gefühl ist das Gefühl, es geschafft zu haben. Sich überwunden zu haben. Mehrmals dem inneren „Schweinehund“ widerstanden zu haben. Nicht umgekehrt zu sein. Ein High-Five auf diese Leistung. Das war der wohl anstrengendste Geburtstag überhaupt.

Die 2,5 Kilometer zurück zum Parkplatz waren da nur noch ein Kinderspiel.


Keine Kosten am 26. Geburtstag

Zu guter Letzt lösen wir noch die übrigen beiden Zahlen zu Nira’s Geburtstag auf. Der ganze Tag, der ganze Trek war völlig kostenlos. 0 Dollar. 0 Euro. Ein besonderer Tag zum Nulltarif. Zum 26. Geburtstag. Für uns Sparbrenner also der perfekte Tag.

Zahlen-Wirrwarr aufgelöst.


Wir haben uns – ohne lang darüber nachdenken zu müssen – dafür entschieden, wieder auf das Free-Camp am Pukaki Lake zu fahren und eine weitere Nacht dort zu verbringen. Ausklingen ließen wir den Abend mit einem kühlen Bier im Schein der untergehenden Sonne. Es war ein sehr anstrengender, aber ein wunderschöner Tag. Geburtstag in Neuseeland. Geburtstag im Mount Cook Nationalpark.

An diesen Tag werden wir uns auch noch in einigen Jahren erinnern. Erinnern würden sich auch unsere Beine an den Trek. Allerdings nicht erst in einigen Jahren, sondern vermutlich direkt in den nächsten 48 Stunden.
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6 Comments

  1. Leute, dieser Beitrag ist fantastisch!!! Ihr schreibt so gut, wir könnten noch ewig weiterlesen. Und Nira: Hört sich nach einem ganz besonderen Geburtstag an, den du sicherlich nie vergessen wirst. Freunde, es muss ein Wiedersehen in Südamerika geben 🙂 Darauf muss angestoßen werden. Macht weiter so und schreibt noch mehr so tolle Beiträge über dieses faszinierende Land. Wir grüßen Euch aus Uruguay <3

    • Christoph sagt:

      Hey ihr Beiden,
      das steht wirklich ganz oben auf der Liste, dass wir uns in Südamerika wieder treffen!! ?✌?️
      Danke für eure wahnsinnig tollen Worte ihr lieben. Das geht runter wie Öl?
      Grüße aus Neuseeland
      Nira & Christoph

  2. Monika sagt:

    Na ..Was machen die Pürierstäbe heute..?

  3. Michael Summa sagt:

    Sehr guter Beitrag ihr beiden , die Bilder sind der Hammer ! Live aber bestimmt nochmal viel viel besser , sehr geil !

    Super geschrieben , müsste echt paar mal lachen ?!
    Weiter so !

    • Christoph sagt:

      Hey Michl,
      DANKE dir für deinen spitzen Kommentar. Lachen ist gesund 🙂 das hören wir gerne.
      Live kriegen wir leider nicht ganz transportiert, dazu muss man selbst herkommen ?
      Viele liebe Grüße
      Nira & Christoph

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