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Auf Reisen erlebt man an jedem Tag unfassbar viele Dinge. Es gibt keinen Alltag. Das ist Erfahrung und Erlebnis pur. Das flasht. Und zwar täglich.

Wenn man länger auf Reisen ist, dann gibt es sie. Diese Tage, an denen man sich nach etwas Gewohnheit, etwas Alltag sehnt. Wir würden es in unserem Fall nicht als Reisemüdigkeit bezeichnen, denn wir haben noch lange nicht genug.

Wir haben einfach den Wunsch verspürt, mal zwei Tage einen Gang herunterzuschalten und den Tag mal Tag sein zu lassen.


Leerlauf in Invercargill

Wir haben die Stadt mit der schottischen Prägung im Süden Neuseelands aber nicht etwa bewusst ausgewählt. Damit würde man dem Örtchen auch wirklich Unrecht tun. Invercargill ist bekannt für seine authentischen Bushwalks vor den Toren der Stadt, dem Queenspark, seinen Museen und den vielen britischen Bauten im Stadtzentrum.

Schön, aber auf all das hatten wir einfach keine Lust. Uns zog es daher an einen ganz bestimmten Ort, der geradezu dafür gemacht schien, uns in dieser Stimmung auszuhalten:

Die öffentliche Bibliothek der Stadt.


Eine Tatsache, an der man auch wahnsinnig gut erkennen kann, welches hohe Maß an Tatendrang uns dieser Tage begleitete, ist der Fakt, dass wir an diesem Tag kein einziges Foto gemacht haben. Nicht eins. Nochmal: Es mangelte wahrlich nicht an Motiven. Es mangelte vielmehr am unbedingten Willen.


Hier in der Bibliothek gab es alles, was unser bescheidenes Herz begehrte: Strom, WLAN und Sitzgelegenheiten. Wir nutzen die Zeit um Nachzudenken. Über unseren Blog. Über die weitere Reise durch Neuseeland und durch die Welt. Eigentlich ein hervorragender Zeitpunkt, denn wir sind fast bei der Halbzeit unserer Weltreise angekommen.


Nach vielen Stunden am Laptop und über unseren Notizbüchern waren wir um einen Blogbeitrag und etliche Seiten an Gedanken für unsere Reise reicher. Ganz schon produktiv so ein „lazy day“.


Runde 2

Tut gut so ein Tag. Und weil er so guttat, haben wir den nächsten Tag direkt unter dasselbe Vorzeichen gesetzt. Mit einem minimalen Maß an Aktivität. Sozusagen als Wiedereingewöhnugsprogramm. Deswegen starteten wir den Tag mit einem Besuch im Southand Museum & Art Gallery. Klingt nicht nach sanftem Wiedereinstieg? MOMENT!

Es gab für uns genau einen Grund, warum wir diese Örtlichkeit aufsuchten und das war nicht etwa eine kostenlose Dusche: Henry!

Kein Gemälde, keine Skulptur und auch kein bekannter Operettendichter. Henry ist das Gesicht von Invercargill. Er ist ein Tuatara und er ist wohl etwa 119 Jahre alt.

Henry dürfte für 90% der Besucher hier verantwortlich sein. Er ist hier so etwas wie ein Rockstar, obwohl er den ganzen Tag nur faul herumliegt. Der Kerl hat es geschafft! Aber mit 119 Jahren darf man das auch.

Nach dem Besuch bei Henry ging es in den Queens Park. Eine riesige Grünfläche, auf der sogar ein Golfplatz angelegt ist. Grob geschätzt macht der Park 10% der Stadtfläche aus und ist wirklich einen Besuch wert. Da wir endlich mal wieder herrlichen Sonnenschein genießen konnten, haben auch wir ein paar Minuten im Park genossen.


Später am Nachmittag ging es nach einem gemütlichen Kaffee bei einer großen amerikanischen Kaffee-Kette mit grün-weißem Logo wieder in unser neues Wohnzimmer. Der Bibliothek von Invercargill. Wieder waren die Stunden, bis wir – wie schon am Vortag – freundlich darauf hingewiesen wurden, dass die Bibliothek jetzt schließen würde – wirklich produktiv. Wir haben uns drei Hörbücher heruntergeladen, die inzwischen zu einem abendlichen Highlight an kalten regnerischen Abenden im Auto geworden sind, zwei Youtube-Videos angesehen und etliche Flugrouten durchgespielt, wie es nach Neuseeland weitergehen könnte. Damit haben wir Stunden verbracht. Wenn es an der Front etwas handfestes gibt, erfährst du es natürlich sofort auf unserem Blog!


Das Highlight dieser beiden Tage erwartete uns übrigens auf unserem Freecamp für die Nacht. Direkt am Monkey Island bei Orepuki etwa 65 km westlich von Invercargill liegt ein kleiner, kostenloser Campingplatz. Die Stellflächen waren bereits extrem voll, doch wir fanden noch ein kleines Plätzchen für Samweiß.

Das Camp wurde nur durch einen bewachsenen Dünenstreifen vom Meer getrennt. Als wir diesen überwanden, eröffnete sich ein traumhafter Blick auf das Meer und auf Monkey Island. Gerade, als wir die Düne überwunden hatten, begann er: Unser erster richtiger Sonnenuntergang in Neuseeland. Traumhaft schön!

Zurück im Traveller-Modus

Wir öffneten unsere Augen zum Klang des Weckers. Die Akkus waren wieder voll aufgeladen. Wir tankten noch kurz etwas frische Meeresluft und dann waren wir zurück auf der Piste. Zielstrebig ging es zum Clifden Cave nördlich unseres Campingplatzes.

Wie so oft waren wir völlig unvorbereitet, was uns hier erwarten könnte und wie wir ausgestattet sein sollten. Das Gute ist: Es klappt trotzdem immer irgendwie.


Die Clifden Caves sind kostenfrei zu erkunden und ein wirklicher Geheimtipp für Höhlen-Fans, denn die spektakulären Höhlengänge hier zählen zu den eher unbekannten Sehenswürdigkeiten in der Cave-Szene.

„Da sollen wir jetzt rein? Ernsthaft?“ Wer schon einmal oder mehrmals in einer Höhle war, der wird sich diese Frage nicht mehr stellen. Wir haben erst am Höhleneingang so wirklich festgestellt, dass wir noch nie in einer echten Höhle waren.

Also klar, Tropfsteinhöhle in Deutschland, durch die man bequem durchlaufen kann oder eine Touri-Höhle wie in der Halong Bucht in Vietnam. Doch, doch, das schon. Aber das hier war etwas völlig Anderes. Es ging schon damit los, dass man nur liegend in die Höhle hineinkrabbeln konnte und es bereits nach wenigen Metern STOCKdunkel war.

Stirnlampen? Logo, haben wir natürlich dabei. Zum Lesen abends im Auto sind die super! Hier in der Höhle? Nun ja, die Glühwürmchen um uns rum hatten sicherlich hellere Funzeln.

Weltreise_Backpacking_Neuseeland_Clifden_Cave
Nach etwa 10m nahmen wir uns einige Minuten Zeit. Gedanken sammeln:

Wir wissen nicht wie tief die Höhle ist.

Wir wissen nicht, wie weit der Weg ist.

Unsere Lampen spenden einen vernachlässigbaren Lichtkegel.

Wir haben keine Höhlenerfahrung.

Wir hören keine anderen Menschen.

Was tun wir also?

Lass uns einfach losgehen!


Der Puls pochte im Ohr. Es war glatt. Es war matschig. Es war feucht. Es war kalt. Warum kriecht man auf allen Vieren unter der Erde durch eine Felsspalte? Warum macht man das? Alles berechtigte Fragen, aber das Abenteuer, dies herauszufinden, reizte uns.

Weltreise_Backpacking_Neuseeland_Clifden_Cave
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Es ist kaum zu glauben, welche beeindruckenden Welten es in Höhlen zu entdecken gibt. In absoluter Dunkelheit entstehen dort unten Kunstwerk und es herrscht sogar manches Leben. Unglaublich. Die Höhle war voller Glühwürmchen!

Anderswo muss man Einiges an Dollar hinlegen, um sie mit einer großen Reisegruppe begutachten zu können – hier gibt’s das for free. Ein Grund mehr, weshalb man sich diese Caves auf keinen Fall entgehen lassen sollte.


Und dann kommt diese eine Stelle. Wie schon in Botswana, nur diesmal unterirdisch. Ein Wasserloch auf unserem Weg. Das scheint uns irgendwie zu begleiten.

Diesmal hatten wir aber mehr Glück, denn eine Gruppe von mehreren Leuten kam gleichzeitig mit uns an der Stelle an. Das hieß: Deutlich mehr Licht!

Neben dem Wasserloch, dessen Tiefe übrigens undefinierbar war, führte ein schmaler Pfad an der Wand entlang. Natürlich in höchstem Maße glitschig und ohne nennenswerte Griffe, sonst wäre es ja langweilig.


Geschafft.

Wir waren drüben. Nun mussten wir uns nur noch die letzten Meter durch enge Felsspalten quetschen, über glitschige Steine rutschen und den Höhlenausgang finden. Es war ein komisches und zugleich erfüllendes Gefühl, den Kopf aus dem Boden zu recken und wieder Tageslicht zu sehen. Richtig überrascht hat uns dann der Blick auf die Uhr. Wir haben für die 300m unter Tage zwei Stunden benötigt.

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Nicht ganz so lange, nämlich gerade einmal drei Minuten hat der Rückweg zum Auto beansprucht. Nach einem kurzen Mittagessen ging es weiter nach Norden. Unser Ziel war der Big Totara Walk, der – so dachten wir – auf dem Weg nach Te Anau liegen würde.


Big Totara Walk – 1.000-jährige Bäume

So kann man sich täuschen. Am Ausgangspunkt zu dem halbstündigen Spaziergang stellten wir fest, dass die Straße hier endete. Normalerweise werden solche Straßen in Neuseeland schon an ihrer Abzweigung liebevoll als „No Exit Road“ gekennzeichnet. Das muss uns wohl entgangen sein.

Aber jetzt, da wir schon einmal hier waren: Auf dem Big Totara Walk stehen einige Bäume, die über 1.000 Jahre alt sind. Der kleine Spaziergang dauert keine Stunde. Man muss also schon wirklich unbedingt zu den uralten Bäumen wollen, wenn man die 25km von der Hauptstraße auf sich nimmt.

Weltreise_Backpacking_Neuseeland_Big_Totara
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Lake Hauroko im Fjordland

Der Umweg zum Big Totara Walk hatte noch eine weitere Konsequenz. Wir warfen unser Vorhaben, an diesem Tag noch Richtung Te Anau zu fahren gänzlich über den Haufen und bogen stattdessen zum Lake Hauroko ab, der ebenfalls nicht gerade aus der Kategorie „Touristen-Hotspot“ stammt.

Leider hing bei unserer Ankunft am See eine derart dicke Wolkendecke über dem See und den Bergen, dass wir uns die dreistündige Tour zum sehenswerten Aussichtspunkt über dem Lake Hauroko sparten und nach einem kurzen Spaziergang am See auf einem Freecamp parkten. Beim Abendessen bekamen wir noch Besuch von einem ganz mutigen Waldbewohner bekommen.

Weltreise_Backpacking_Neuseeland_Lake_Hauroko
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Unser Couscous, unsere Haferflocken, unsere Karotte und unser Toastbrot haben dem Kleinen richtig gut geschmeckt. So gut, dass er am nächsten Morgen gleich mit er ganzen Familie vorbeischaute.


Mit dem Ausflug zum Lake Hauroko sind wir übrigens im Fjordland Neuseelands angekommen. Ein Gebiet, das wir uns in den nächsten Tagen genauer ansehen wollen. Dann nämlich geht es für uns hinauf nach Te Anau, Milford Sound und auf den Kepler Track. Richtig, wir machen den Kepler Track!

Näheres zum Kepler Track folgt im nächsten Beitrag, aber schon jetzt schon mal ein paar Fakten zum Warmwerden:

Der Kepler Track ist eine der „10 Great Walks“ in Neuseeland. Seine Gesamtstrecke beträgt 60 (!!) Kilometer. Wir werden zweimal im Fjordland Neuseelands übernachten, also durchschnittlich 20km pro Tag bewerkstelligen müssen.

Die Entscheidung für eine solche Wanderung ist bereits in Dunedin gefallen. Die ganze Geschichte zu der wahnwitzigen Buchung und der Frage „Sind wir überhaupt richtig ausgestattet für solch einen Track“ gibt’s dann im nächsten Beitrag.

Stay tuned!

2 Comments

  1. Christian sagt:

    Puh, erstmal Luft holen… Was ein geiler Blog… Spannend, witzig, authentisch, ehrlich, lieb, mitreißend… …ich könnte noch tausend Adjektive setzen… …ihr habt mich (mal wieder) richtig mitgenommen mit eurem mega Geschreibsel und den aufregenden Fotos… …fast fehlte nur noch ein spektakuläres Glühwürmchenselfie und ich hätte direkt morgen umgeschult zum Höhlenforscher…

    THX THX THX <3

    • Christoph sagt:

      Christian du bist der Wahnsinn wirklich!
      Das mit dem Glühwürmchenselfie ist so eine Sache! Bist du hell, ist es dunkel. Bist du dunkel ist es hell ??✌?
      Danke für die tollen Worte!!
      Grüße
      Nira & Christoph

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