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Weltreise_Backpacking_Neuseeland_Nelson
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„Ach komm! Bevor wir über das Inland nach Kaikoura fahren, können wir doch den Umweg über die Westküste nehmen und etwas Neues sehen! Von Kaikoura können wir dann bequem in den Norden fahren“
Klingt sinnvoll oder? Dachten wir auch. Die Westküste der Südinsel Neuseelands ist kaum bewohnt. Dafür wartet sie aber mit zwei echten Hochkarätern der Tourismusszene auf:

Fox Gletscher und Franz Josef Gletscher.

Die beiden Gletscher gehören zu den größten ihrer Art in Neuseeland. Das Besondere ist, dass beide nur wenige Meter (300-400m) über Meereshöhe liegen und sich aufgrund ihrer Lage äußerst schnell vorwärtsbewegen. Der Fox Gletscher beispielsweise wandert bis zu einem Kilometer pro Woche (!).


Die beiden Gletscher waren allerdings nicht der Grund, warum wir lieber über die Westküste in den Norden gefahren sind. Ganz im Gegenteil sogar: Wir haben bei keinem der Beiden auch nur eine Sekunde verweilt, aber Eines nach dem Anderen.

Haast-Pass

Wir hatten viel vor an diesem Tag. Vor uns lag der Haast-Pass, der etliche interessante Wanderwege, Wasserfälle und Aussichtspunkte zu bieten hat. Vom Lake Hawea aus, an dem unser Campingplatz gelegen war, lag Haast – also das Ende des Haast-Passes – etwa 120 Kilometer entfernt. Damit aber nicht genug. Unser endgültiges Tagesziel lag sogar ganze 426km entfernt: Greymouth, die größte Stadt an der Westküste der Südinsel.


Wir starteten bei heiterem Sonnenschein. Das Wetter an diesem Tag sollte sich allerdings noch zu unseren Ungunsten ändern. Deutlich ändern! Apropos ändern. Im letzten Beitrag über Queenstown und Wanaka hatten wir dir den Tipp gegeben, deinen Tank in Queenstown noch einmal voll zu machen, wenn du an die Westküste fährst. Bereits in Wanaka lag der Spritpreis pro Liter ja 16ct über dem in Queenstown. Hier am Haast-Pass wurde es dann allerdings richtig kernig. Der Spritpreis pro Liter lag mit 2,31$ ganze 29ct höher, als noch in Queenstown. Wir sollten an diesem Tag insgesamt fünf Mal an einer Tankstelle halten. Der Grund war einfach: Wir tankten immer nur 5-10 Liter in der Hoffnung, an der nächsten Tankstelle Sprit zu einem vernünftigen Preis zu bekommen. Schon jetzt können wir verraten: Dazu kam es erst in Greymouth wieder!


Die Blue Pools am Haast Pass

Genug gejammert über teuren Sprit. Wir hatten unser erstes Fähnchen auf dem Haast-Pass bei den Blue Pools – wenige Minuten hinter dem Lake Hawea – gesetzt. Das ist wirklich ein Phänomen in Neuseeland: Die Farbe des Wassers an manchen Stellen. Bei so vielen Gletschern ist das aber auch kaum ein Wunder.
Weltreise_Backpacking_Neuseeland_Haast_Pass
Weltreise_Backpacking_Neuseeland_Haast_Pass
Hier am Blue Pool machten wir übrigens wieder Bekanntschaft mit einem längst bekannten Feind: Der Sandfly. Oder vielmehr unzähligen von diesen Biestern. Die Begegnung mit den fiesen, beißenden Kreaturen blieb uns auf all unseren Reisen bisher erspart. Bis wir nach Neuseeland kamen. Hier kann ein noch so schöner Ort zum absoluten Alptraum werden, wenn er von Sandflies bewohnt wird. Es gibt wenig Gutes und sehr viel Teures, was gegen die Mücken helfen soll. Am besten und effektivsten bleibt aber: Töten, bevor sie beißen!


Es ließ sich an den Blue Pools also kaum lange aushalten. Hinter den Blue Pools begann die Passstraße. Es ging auf und ab. In langen und kurzen Schleifen. Die Straßen auf den Pässen sind wirklich eng und neben den Reifen geht es mächtig in die Tiefe. Samweiß brachte uns aber sicher über den Berg ins erste Tal.
Anschließend kippte das Wetter. Es wurde so neblig, dass wir kaum 20 Meter weit sehen konnten. Super, wenn man sich gerade über schmale Straßen den Weg durch ein Gebirge bahnt. Kaum schneller als mit Schrittgeschwindigkeit kamen wir etwa drei Stunden später in Haast an. Mittlerweile gesellte sich zu dichtem Nebel immer wieder heftiger Platzregen hinzu. Uns war in Haast schon klar, das wir – abgesehen von den dichten Nebelbänken und der Markierung auf unserer Straße heute nicht viel Sehenswertes auf der Westcoast Road sehen werden.


Fox und Franz Josef – Nein Danke!

Das Wetter war auch ein Grund, warum wir später jeweils nur zur Durchreise an den beiden Gletschern vorbeikamen, die in hohem Maße von Reisebussen frequentiert werden. Es war aber keinesfalls der Hauptgrund. Wir haben mit dem Müller Gletscher im Aoraki Mount Cook Nationalpark und erst am Vortag mit dem Rob Roy Gletscher am Lake Wanaka ja bereits beeindruckende Gletscher bestaunen dürfen. Schon die kleinen Vororte der Gletscher von Fox und Franz Josef waren dermaßen touristisch, dass wir spätestens bei der Ankunft wohl die weiße Fahne geschwenkt hätten. Wir haben auch im Vorfeld kaum ein gutes Wort über die Gletscher gehört. Normalerweise machen wir uns – gerade nach solchen Feedbacks – gerne ein eigenes Bild von der Lage, in diesem Fall hatten wir aber beide nicht den Drang nach einer höchst touristischen, möglicherweise enttäuschenden Erfahrung.


Wir haben auch im Nachhinein nicht das Gefühl gehabt, etwas verpasst zu haben. Nachdem das Wetter auch ohnehin nicht mitgespielt hat, war es wohl Schicksal, dass wir aus Fox Glacier Town lediglich 8 Liter Benzin mitnahmen. Alles in allem war es ohnehin zu teuer, hier und er Region zu übernachten und einen besseren tag abzuwarten.


Gegen Abend rollten wir endlich einige Kilometer vor Greymouth an ein Freecamp. Von dem See, der uns umgab, konnte man kaum etwas sehen, so dicht war der Nebel. Natürlich regnete es auch hier fröhlich aus Eimern.

Greymouth – Schwimmbad, Bibliothek und Kaffee

Der nächste Morgen überraschte uns dann wirklich. Das Wetter war wunderbar. Die Sonne strahlte über den See, den wir nun endlich einmal sehen konnten. Wir hatten uns aber bereit am Vorabend auf ein Vorhaben eingeschossen, dass wir auch trotz des guten Wetters nicht zu den Akten legen wollten: Ein Besuch im Schwimmbad von Greymouth.


DAS war die reinste Wohltat nach den vielen Regentagen. Wir hatten das Schwimmbad nahezu komplett für uns. Wir durften den heißen Whirlpool und die Sauna nutzen. Erst nach Stunden und mit völlig runzligen Händen verließen wir das Schwimmbad wieder, das neben ausgezeichnet temperierten Becken übrigens auch ein außergewöhnlich flottes WLAN hatte.

Wir fühlten uns wie neu geboren. Wir nutzen den angebrochenen Tag für einige Recherchen für die Weiterreise in Neuseeland. Hätten wir in diesen Stunden in der Bibliothek von Greymouth doch auch einfach einmal an das gedacht, was uns zwei Tage später hochkarätig um die Ohren flog. Aber von vorne.


Nach einem kurzen Spaziergang durch Greymouth, einem gemütlichen WLAN-Kaffee und einem erneuten Besuch in der örtlichen Bibliothek ging es anschließend in Richtung Ostküste. 40 Kilometer östlich von Greymouth bezogen wir unser Nachtlager an einem kleinen, Community-Campinground (5$ pP) der Gemeinde Ahaura. Ermutigt von einer kurzen Sonnen-Sequenz nahmen wir die Gratis-Waschmaschine des Camps in Anspruch, um endlich einmal wieder ALLE Klamotten sauber zu bekommen. Der Schuss ging ordentlich in den Ofen. Gerade, als wir die Wäsche fein säuberlich über unsere Wäscheleinen gelegt hatten... REGEN!

Wie trocknet man seine Wäsche am besten als Camper bei Regen? Richtig, GAR NICHT!

Mit einem Belgier, der das gleiche Wäsche-Schicksal erlitten hatte, wie wir, ließen wir den Abend bei einigen Bierchen ausklingen, ehe es am nächsten Morgen bereits früh wieder auf die Piste ging.

Auf dem Lewis Pass nach Kaikoura

Es ist zwar Formsache, aber der Vollständigkeit halber. Natürlich regnete es auch die meiste Zeit auf der Fahrt nach Kaikoura wieder. Bevor jetzt der Eindruck entsteht, dieser Beitrag würde nur aus Jammerei über das Wetter handeln, wechseln wir schnell zu einem Thema, das uns auf der Strecke ebenfalls mehr als nur kurz beschäftigt hat.

Neuseeland ist ein Land, das regelmäßig von Erdbeben heimgesucht wird. Erst Ende 2016, also nicht einmal fünf Monate, bevor wir mit Samweiß über diesen Boden fuhren, wurde eben diese Strecke des Lewis Passes und die kleine Küstenstadt Kaikoura von einem heftigen Beben der Stärke 7,8 überrascht.


Die Strecke ist auch heute noch eine einzige Baustelle. Überall liegen riesige Haufen der Zerstörung an den Straßenrändern. Die Straßen selbst werden mit erheblichem Aufwand wiederhergestellt. Auch einige Monate nach dem Beben sind die Schäden insbesondere an der Infrastruktur in diesem Gebiet noch deutlich sichtbar. Das Ausmaß der Zerstörung hat uns wirklich getroffen.
Kaikoura, unser Ziel an diesem Tag, hatte es bei dem Beben besonders hart getroffen. Es wurde gänzlich von der Außenwelt abgeschnitten. Strom- und Telekommunikationsversorgung wurden zerstört und die wenigen Wege nach Kaikoura wurden an vielen Stellen durch Bergrutsche zerstört. Die Stadt musste mit Helikoptern notversorgt werden. Die einzige Straße nach Norden, nach Blenheim ist voraussichtlich bis Weihnachten 2017 gesperrt.
Diese Information, die wir taufrisch aus der i-Site in Kaikoura erhalten hatten, hatte weitreichende Konsequenzen für uns. Wir waren aus einem einzigen Grund nach Kaikoura gekommen: Wir wollten die Wale sehen.

Du hast richtig gehört. Wir wollten eine richtige Touri-Tour machen. Wir wollten die größten Bewohner unserer Meere sehen: Pott- und Blauwale.

Wegen des Bebens fahren die Boote aber statt elfmal nur noch dreimal hinaus. Das hatte zur Folge, dass die Tour für eine ganze Woche im Voraus ausgebucht war. Welche Chance wir hatten, die Wale dennoch zu sehen? KEINE! Entweder wir hätten eine Woche gewartet, um einen freien Platz auf einem der Boote zu ergattern (145$ pP) oder wir sind umsonst nach Kaikoura gekommen. Es war eine riesige Enttäuschung, denn zu dieser Info kam die Erkenntnis dazu, dass wir nicht – wie „geplant“ von Kaikoura in den Norden nach Blenheim weiterfahren konnten, sondern die 400km, die wir von West nach Ost gefahren waren auch wieder zurückfahren mussten, um nach Norden zu gelangen.
Wir fuhren ans Meer von Kaikoura an einen Freecamp. Wir haben lange überlegt, was wir machen und uns schlussendlich dafür entschieden, am nächsten Tag weiter- oder vielmehr zurückzufahren, ohne die Wale gesehen zu haben. Eine Woche des Wartens. Das war keine Alternative für uns. Wir würden viel Zeit verlieren und selbst dann wäre nicht sicher, ob unsere Bootstour starten kann. Wetterbedingt werden aktuell sehr viele Touren abgesagt, so die Info aus der i-Site. Der Südpass nach Christchurch sollte einen Tag später für Bauarbeiten gesperrt werden, der Nordpass nach Blenheim war bereits gesperrt und auf dem dritten Weg nach Kaikoura waren wir erst wenige Stunden zuvor hereingefahren. In einer Woche aus dem Norden wieder zurück nach Kaikoura fahren? Auch das war aufgrund der Straßensperrung und des Umwegs von etwa 450km keine Alternative. Wir waren bitter enttäuscht. Hätten wir mal eher...


Es dauerte auch am Folgetag noch einige Stunden, bis wir die Enttäuschung gänzlich aus den Kleidern geschüttelt hatten. Reisen ohne Plan – neben all der Flexibilität und Freiheit kann auch das eine Begleiterscheinung sein, die sich weniger schön auf eine Reise auswirkt. Ohne die Wale gesehen zu haben reiten wir also in den Norden nach Nelson. So langsam neigt sich unsere Zeit auf der Südinsel dem Ende entgegen. Stay tuned!

6 Comments

  1. Jessica sagt:

    Hach ja… Neuseeland ? wir sind etwa 4 Tage vor dem Erdbeben 2016 die Strecke von Picton nach Kaikoura gefahren und konnten die tolle Landschaft genießen. Echt heftig, dass es dort zu solchen Schäden kam… Wir hoffen ihr genießt Neuseeland (trotzdem) so sehr wie ich. Ohne Pleiten und Pannen wäre ein Roadtrip auch nur halb so spannend ☺️??
    Liebe Grüße von Jessica

    • Christoph sagt:

      Hey Jessica,
      Wow, da hattet ihr ja noch dazu richtig Glück. Wahnsinn. Habt ihr damals was gespürt davon? Vermutlich schon oder?
      Logo, ein Roadtrip wäre kein Roadtrip, wenn alles glatt läuft. Das gehört dazu. Wir lieben Neuseeland auch so ?
      Grüße
      Nira & Christoph

  2. Hallo Ihr Beiden. Natürlich sind der Franz Josef und Fox Gletscher auch touristisch, aber wir fanden, das dort nicht mehr los war als an anderen Orten in Neuseeland. Wir sind mit dem Helikopter zum Franz Josef hoch und haben dort eine Eiswanderung gemacht und das war schon sehr beeindruckend. Bilder gibt es hier: https://one-million-places.com/reiseberichte/australien-neuseeland/neuseeland/eiswanderung-fox-gletscher

    Aber klar, das Wetter muss natürlich mitspielen, sonst macht das keinen Sinn 🙂
    Wir freuen uns auf Euren Gegenbesuch.

    Viele Grüße
    Sandra & Michael

    • Christoph sagt:

      Hey ihr beiden,
      Perfekt, dann können wir uns eure Bilder einfach anschauen und haben die dann auch gesehen. Das ganze Konstrukt hat für uns nicht gepasst: Wetter, Preise, Touri, Laune…

      So eine Eiswanderung ist ganz bestimmt mega geil! Wir schauen mal vorbei! Vielen Dank und liebe Grüße
      Nira & Christoph

  3. Diandra sagt:

    Oh je, die Enttäuschung kann ich mir wirklich vorstellen. Das mit dem Erdbeben damals war schon mehr als heftig, ich war zu dem Zeitpunkt ja auch in Neuseeland und konnte das Beben sogar 450km entfernt vom Epizentrum deutlich spüren. Ein sehr bedrückendes Gefühl.

    Tut mir sehr Leid für euch, dass ihr die ganze Strecke wieder zurückfahren musstet. Aber aus Fehlern lernt man ja bekanntlich. 😉

    Den Franz Josef Gletscher hatte ich mir damals angeguckt, den Fox aufgrund des Wetters nur vom Weiten. Ich muss ehrlich gestehen, dass mich beide irgendwie nicht so sehr beeindruckt haben. Also es war schon cool, aber meiner Meinung nach auch alles viel zu touristisch ausgelegt.

    Liebe Grüße
    Diandra von http://www.bakingavenue.com

    • Christoph sagt:

      Hey Diandra,
      das sind halt die Dinge, die man dann hinnehmen muss, wenn man sie schon nicht plant. Die Wale hätten wir schon echt gerne gesehen. Krass, dass du bei dem Erdbeben dort warst. Wir waren in Wellington in einem simulierten Erdbeben Haus, selbst das war schon echt bedrückend, obwohl es nicht annähernd die Stärke eines echten Bebens hatte. Da ist man völlig machtlos.. krass!
      Du reihst dich mit deinem Feedback echt genau ein in die Reihe von Leiten, mit denen wir über die Gletscher gequatscht haben. Danke, dass du das nochmal bestätigt hast ^^
      Viele Liebe Grüße
      Nira & Christoph

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