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„Ja sind sie jetzt völlig übergeschnappt oder haben sie vielleicht zu viele griechische Heldenmythologien gelesen?“

Die Frage dürftest du dir beim Lesen der Überschrift berechtigterweise gestellt haben. In Wahrheit trifft sie aber genau den Punkt, wenn es um die Ereignisse unserer Tage an der Westküste der Nordinsel Neuseelands geht.


Wir hatten die Hauptstadt Wellington hinter uns gelassen und fuhren mit Samweiß gen Westen. Unser Ziel war der Mount Taranaki, einer der schicksalhaftesten Vulkane Neuseelands. Statistisch gesehen kommen hier die meisten Menschen beim Versuch der Besteigung des Gipfels ums Leben. Das extrem wechselhafte Wetter und die Unerfahrenheit der Bergsteiger sind hierfür im Wesentlichen ursächlich. Schon alleine deswegen war von Vornherein klar für uns, dass eine Besteigung außer Frage steht.

Schon aus der Ferne durften wir uns von der Eitelkeit des Vulkans überzeugen. Nur selten zeigt er seinen perfekt geformten Spitzkegel, was keinesfalls anzüglich verstanden werden sollte.


Die Legende des Mount Taranaki

Für Freunde von Geschichten und Legenden haben wir zum Mt. Taranaki ein ganz besonderes Schmankerl in Erfahrung bringen können:


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„In der Mythologie der Maori, dem indigenen Volk Neuseelands stand Mt. Taranaki einst in Mitten der Nordinsel. Eines Tages kam es zum Kampf des Vulkans mit Tongariro, einem Vulkan-Massiv, das bis heute im Zentrum der Nordinsel zu finden ist. Wie so oft im Leben ging es um die Gunst einer Frau, dem Mount Pihanga. Die Schlacht der beiden Vulkane führte zu heftigsten Erdbeben und der Himmel färbte sich tiefschwarz. Pihanga entschied sich für Tongariro und Taranaki zog gepeinigt von Dannen. Er ließ sich an der Westküste nieder und wurde auf ewig von der Poukai-Gebirgskette eingeschlossen. Der Legende nach entsprangen seinen Wunden die klaren Wasser des Whanganui Flusses.“
Der arme Kerl, oder? Wir wollten uns den Burschen natürlich auch einmal aus der Nähe anschauen. Es gibt zwei Wege, die zu Ausgangspunkten für Wanderungen auf und um den Mt. Taranaki führen. Wir haben uns zunächst für den südlichen Weg entschieden. Die Straße verläuft äußerst eng durch dichten Busch. Man hat das Gefühl, dass hier – wie beim Bau einer U-Bahn – ein riesiger Bohrer einen Tunnel durch den Wald gefräst hat.
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Oben angekommen gewährte uns Mt. Taranaki für den Bruchteil einer Sekunde einen kurzen Blick auf sein Konterfei, ehe dichte Wolken und Nebel die Sicht gänzlich verdeckten. Es wurde anschließend so feucht, dass man mit einem Goldfisch hätte Gassi gehen können. Den Vulkan sahen wir anschließend nicht mehr. Dafür aber machten wir uns auf eine kurze Wanderung, um die Umgebung etwas zu erkunden.

Die Dawson Falls

Wenige Minuten vom dortigen Visitor Center kann man die Dawson Falls bestaunen. Auf dem Weg dorthin befindet sich auch eine Power Station. Das ist nicht nur irgendein Wasserwerk. Es zählt zu den ältesten Wasserwerken, die immer noch arbeiten. Schon Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit dieser Power Station Energie gewonnen.

Der Weg zu den Dawson Falls führt durch dichten, feuchten Busch. Mit zunehmendem Regen wurde zwar einerseits der Weg immer matschiger, aber ebenso stieg die Vorfreude auf einen mächtigen Wasserfall. Und wir sollten nicht enttäuscht werden.
 
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Auf unserem Rückweg zum Auto wurden wir dann von einem heftigen Regen überrascht. Da waren sie. Die Stimmungsschwankungen des Mt. Taranaki, von denen wir viel gehört hatten. Da wir nicht das Gefühl hatten, dass sich diese Stimmung kurzfristig bessern könnte, fuhren wir den Weg noch am selben Tag zurück ins Tal und campierten vor der Bibliothek in Kaponga. Es sollte der Startschuss einer nicht enden wollenden Regenarie werden.

Der Tag im Auto

Von diesem Tag an regnete es ununterbrochen. Wir haben nie zuvor auf einer Wettervorhersage von mehreren, aufeinanderfolgenden Tagen eine Regenwahrscheinlichkeit von 100% gelesen. Jetzt waren wir schon mehrfach zur Regenzeit in Südostasien, aber die Regenmassen, die hier zu Boden fielen, widerstanden jedem Vergleich. Es regnete ununterbrochen. Wir verbrachten den Tag nahezu komplett innerhalb unseres Autos, ohne uns von der Stelle zu bewegen. Man konnte kaum die Laternen auf der anderen Straßenseite erkennen, so dicht war der Nebel. Der beste Umstand an unserer Situation war, dass wir vor einer Bibliothek parkten und immerhin das WLAN nutzen konnten.

Keine Besserung in Sicht

Es hatte die gesamte Nacht hindurch heftig geregnet und auch am nächsten Morgen: Keine Veränderung. Wir entschlossen uns, nach einem kurzen Dusch-Stop in Stratford aber dennoch für die Weiterfahrt nach New Plymouth. Die Stadt liegt an der Westküste nördlich des Mt. Taranaki. Auch hier regnete es ohne sichtbares Ende. In New Plymouth gibt es mit dem Puke Ariki ein mehrfach ausgezeichnetes Museum über Neuseeland, seine Natur und Menschen. Die Ausstellungen sind definitiv einen Besuch wert, ganz besonders natürlich, wenn es draußen aus Kübeln regnet.

Zyklon Debby ist schuld

Erst Tage später begriffen wir, dass es sich bei den heftigen Regenfällen nicht um eine Laune des Mt. Taranaki gehandelt hatte. Debbie war schuld. Debbie war ein Zyklon, der Tage zuvor so heftig in Australien gewütet hatte, dass sogar ein Hai aus dem Meer weit ins Landesinnere geschleudert wurde. Der Schleier von Debbie zog nun über uns hinweg. Über die Nordinsel Neuseelands. Am fünften Tag des Monats April sind mittlerweile mehr Niederschläge auf das Land geprasselt, als sonst im gesamten Monat. Wer mal nachschauen möchte: Es gibt eine gute, kurze Zusammenfassung auf wetter.tv inklusive Wetterkarte (hier klicken!). Ihr findet uns ganz einfach: Wir waren der untere tiefrote Fleck am westlichen Rand der Nordinsel. Juhu!


Zum Glück hat New Plymouth neben dem Puke Ariki gleich noch ein zweites Museum, das wir nach einem erneuten Kaffee besuchen konnten. Die Govett-Brewster Art Gallery, in der eine interessante Contemporary Art Ausstellung zu begutachten war. Leider waren 2/3 des Museums wegen Umbau geschlossen, so dass unsere Verweildauer nur sehr kurz bemessen war. Beide Museen sind im Übrigen völlig kostenfrei.
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Zu allem Überfluss erfuhren wir noch am selben Tag, dass einige Straßen in Neuseeland aufgrund der heftigen Niederschläge bis auf Weiteres geschlossen werden mussten. Darunter war auch der Forgotten-World-Highway, den wir gerne bei sich bessernden Wetterbedingungen als Weg in den Osten nutzen wollten.
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Ein Tag in Stratford

Uns blieb nichts Anderes übrig, als auszuharren. Mittlerweile waren sämtliche Straßen in den Osten der Nordinsel wegen Erdrutschen und Überflutungen gesperrt. Wir saßen also buchstäblich fest. Stratford hatten wir bisher nur als kurzen Stop zum Duschen im örtlichen Schwimmbad genutzt. Da an eine Wanderung nicht zu denken war, verbrachten wir einige Stunden in Stratford, tranken Kaffee und dachten über mögliche Alternativen der Weiterreise nach.

Die Intrige des Mt. Taranaki

Es war bereits der sechste Tag am Fuße des Taranaki, als wir früh um 7:00 Uhr durch einen hellen Sonnenstrahl aufgeweckt wurden. Die Sonne war zurückgekehrt. Der Himmel strahlend blau. Sollte das etwa die Möglichkeit sein, tatsächlich auf eine Wanderung am Mt. Taranaki zu gehen und den Vulkan zu Gesicht zu bekommen?

Wir waren super motiviert und saßen keine Stunde später abfahrbereit hinter dem Steuer. Unser Ziel war der Mangorai Track, an dessen Ende das bekannte Spiegelfoto des Mt. Taranaki in einem kleinen See geschossen wurde, das auf jeder Broschüre prangt und atemberaubend aussieht!

Auf dem Weg zu diesem Ausgangspunkt, völlig unerwartet und wie, als wäre es niemals anders gewesen, stand er plötzlich Links von uns. Mt. Taranaki in seiner vollen Schönheit.
Nach etwa einer Stunde Fahrt kamen wir an unserem Track an. Kurz einige Müsliriegel und eine Banane in den Rucksack geschmissen und es konnte losgehen.

Regenjacken? Na man weiß ja nie, nehmen wir mal mit.

Bis zu dem Fotospot, dem kleinen See mit Blick auf den Mt. Taranaki sind es etwa 6km. Nach 4,5km und auf einer Höhe von 1.221 Metern steht die Pouakai Hütte, an der man eine kurze Pause machen kann.
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Wir waren etwa drei Kilometer gelaufen, da begann es durch das Unterholz leicht zu nieseln. Es wurde merklich kälter. Auf den letzten Metern vor der Hütte und als wir gerade die Baumgrenze überschritten hatten und schutzlos ausgeliefert waren, schüttete es plötzlich, als gäbe es kein Morgen mehr. Der Mt. Taranaki hatte uns auf perfide Weise bei herrlichem Wetter angelockt, um uns dann im Regen stehen zu lassen. Er hatte sich mittlerweile hämisch lachend wieder hinter eine dicke Nebelwand verzogen. Völlig durchnässt erreichten wir die Hütte, in der bereits eine handvoll Leuten aus den unterschiedlichsten Ländern vergeblich versuchte, den Ofen anzuschüren.


Es war eiskalt in der Hütte. Jeder zitterte am ganzen Körper. Die nassen Klamotten hingen über Stangen an der Decke und tropften und tropften. Zwei Stunden brachten wir in der Hütte zu, ehe sich das Feuer im Ofen endlich gegen die Kälte erwehren konnte, als die Wolkendecke aufzog und die Sonne auf die Hütte fiel.


Das soll der See sein??

Wir wägten ab, ob wir die übrigen 1,5km noch aufsteigen sollten, um den See zu finden. Letztendlich hatte sich das Wetter so sehr stabilisiert, dass wir uns dafür entschieden. Über die nassen Pfade durch dichtes Gestrüpp erreichten wir nach einer halben Stunde den See. Pardon, See ist der völlig falsche Ausdruck für das, was wir vorfanden. Es war eher eine Pfütze. Der Wind fegte über das kleine Gewässer, so dass eine Spiegelung unmöglich war und Wolken verschleierten unsere Sicht. Die Enttäuschung war allen deutlich ins Gesicht geschrieben. Humor ist, wenn man trotzdem lacht!
 
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Vor dem Fotografen, der dieses Hochglanzmotiv für die Broschüren geschossen hatte, mussten wir hochachtungsvoll den Hut ziehen. Wir hatten wirklich etwas ganz Anderes erwartet. Der Abstieg ist schnell erzählt. Das Wetter blieb stabil und am späten Nachmittag kamen wir wieder an unserem Auto an, kochten uns kurz etwas und düsten nach New Plymouth für einige kleine Einkäufe.


Bevor wir am Abend zu unserem Campingplatz fuhren, stoppten wir noch an einem See. Einem richtigen See. Mt. Taranaki war mittlerweile gänzlich wolkenfrei. Wir mussten sechs Tage für diesen Anblick warten. Aber es hat sich gelohnt. Selbst, wenn die Wanderung aufgrund des Regens und der Erkenntnis, dass es sich bei dem See eher um einen Tümpel handelte etwas enttäuschend war, waren die Stunden in der Hütte dennoch total lustig. Auch das Gefühl, seinen Körper nach all den schlechten Tagen einmal wieder mobilisiert zu haben, erfüllte uns.

Weltreise_Backpacking_Neuseeland_Taranaki
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Wir verbrachten eine letzte Nacht am Visitor Center des Mt. Taranaki. Der Himmel war sternenklar und es war eiskalt.
Wir haben unser Ziel erreicht. Wir haben den widerspenstigen Vulkan gesehen, mit all seinen Marotten. Wir haben die heftigen Regenfälle durch Zyklon Debbie überstanden und reisen nun weiter in das Zentrum der Nordinsel, wo nochmal ein echtes Highlight auf uns wartet. Stay tuned!

4 Comments

  1. Monika Lung sagt:

    Ich geh dann mal mit meinem Goldfisch Gassi ??..was für unterhaltsamer, informativer und lustiger Beitrag..Hut ab !

  2. Sharknado in Australien ? Hab ich gar nichts von mitbekommen 😉
    Sehr schöner Bericht ! Ich finde es echt beeindruckend, dass Ihr so viel Zeit ins Bloggen investiert, während ihr unterwegs seid und so großartige Beiträge auch noch dabei rauskommen. Vergesst dabei nicht, die Zeit zu genießen 😀
    Bin schon auf die nächsten Ziele gespannt. Eure Berichte beamen mich direkt 1 Jahr zurück. Danke !

    • Christoph sagt:

      Hey,
      Vielen vielen Dank für deine tollen Worte! Es macht unheimlich Spaß, über die eigenen Reisen zu schreiben. Es ist auch für uns total gut, um das erlebte nochmal Revue passieren lassen zu können. Es ist also Zeit, die wir gerne investieren und es ist auch deutlich im Rahmen 🙂
      Beam me up Scotty ?✌?
      Grüße
      Nira & Christoph

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