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Ich denke, es ist nicht übertrieben, wenn wir unsere Zeit in der Südprovinz Taiwans unter die Überschrift „unerwartet“ stellen. Unerwartet schön, unerwartet heiß, unerwartet eindrucksvoll und einfach unerwartet.

Vielleicht sollten wir mal an unseren Erwartungen arbeiten oder und im Vorfeld mehr Gedanken machen, wo wir da eigentlich hinfahren, aber dann wäre es so offensichtlich. Wir lassen uns auch gerne einfach mal überraschen. So geschehen, als wir in den Bus nach Kenting stiegen.

Fahrt von Kaohsiung nach Hengchun

Wer viel in Südostasien war, der kennt das mit den Bussen und den Abfahrtszeiten. Zahlen sind Schall und Rauch, die fahren, wenn sie fahren. Ganz anders ist das in Taiwan. Hier fährt alles „on time“. Punktpünktlich. Metro, Bus, Zug. Egal, welches Verkehrsmittel. Alle fahren pünktlich ab. Unser Bus von „Kenting Express“ war noch dazu einer der saubersten Busse, mit denen wir je gefahren sind. Beinfreiheit, USB-Steckdose und Klimaanlage inklusive.


Die Fahrt nach Hengchun, das nur etwa 10 Kilometer vom Kenting Nationalpark entfernt liegt, dauerte auch nur angenehme zwei Stunden. Taiwan ist ein kleines Land, die Strecken sind kurz.

Landluft in Hengchun

Ein wunderschöner, heißer Tag ging zu Ende. Wir schleppten unsere Backpacks in unsere Unterkunft und machten uns auf Essensuche auf der Hauptstraße in Hengchun. Da sich Nira’s Stimme an dem Abend mit jeder Minute weiter von ihrem Ursprung entfernte, gab es nur eine Lösung: Suppe.

Wie gut, dass „Beef Soup“ zu einer von Taiwans absoluten Nationalgerichten zählt. Die gute alte Rinderkraftbrühe zog und zerrte so lange an den Stimmbändern, bis alles wieder dort war, wo es hingehört. Und satt waren wir auch.


„Hast du das gewusst?“ – Traumstrände in Kenting

Wir haben uns am Abend zuvor auf dem Heimweg beim Bäcker (!) noch ein paar Teile zum Frühstück mitgenommen. Diese Stuben gibt es hier fast genauso häufig wie Läden, die Milk Tea verkaufen. Zwar ist das kein Vergleich zu unseren Backstuben zu Hause aber mit einem glücklichen Händchen kann man aus den bunten Stücken ab und zu eine echte Überraschung abgreifen. Oder man macht es wie Nira und greift zu den Gebäcken mit Bohenfüllung in der Hoffnung auf einen Schoko-Croissant. Die Reaktion könnt ihr euch vorstellen.


Mit dem Bus ging es dann in wenigen Minuten nach Kenting. Es war wieder wahnsinnig heiß und drückend an diesem Tag. Die Entscheidung, ob wir etwas unternehmen oder einfach an den Strand gehen sollten, fiel also einstimmig aus.


Wir navigierten uns durch einige Gässchen und stranden plötzlich wieder am Meer. Die frische Meeresluft brauste uns durch die freien Nasen und wir hörten die Wellen branden. „Wusstest du, dass es hier so schöne Strände hat? – Ne, woher denn?“ Das kam wirklich unerwartet. Der Strand war nahezu menschenleer, das Wasser war kristallklar und hatte die schönsten Blautöne. Dann bemerkten wir den Spielverderber. Hinter uns und alle 100m wehten rote Fahnen. Das heißt an Stränden nie etwas Gutes. So auch hier nicht. Wegen gefährlichen Unterströmungen ist das Schwimmen hier gänzlich verboten. Oh Mann!
Uns lief der Schweiß aus allen Poren, wir standen mit den Füßen im Wasser mit der Gewissheit: Reinspringen ist nicht! Kein schönes Gefühl. Leider hat auch hier der Mensch bereits unschöne Spuren hinterlassen. Es war zwar die einzige Stelle, an der es uns aufgefallen ist, dafür war es umso heftiger: Plastikmüll. Ein trauriger Anblick.
Weltreise_Backpacking_Taiwan_Kenting-Nationalpark
Wir versuchten unser Glück einige hundert Meter an der nächsten Bucht. Hier war viel mehr los, es war trotzdem angenehm UND wir durften hier ins Wasser gehen. Na also. Die Wassertemperatur lag zwar fern von jeder Abkühlung, aber angesichts der Außentemperaturen war alles unter 30° erfrischend.
Die Strände und das Meer hier sind wirklich wunderschön. Wir haben den ganzen Tag im Schatten einiger Bäume gelegen und die Sonne am Himmel vorbeiziehen lassen. Am späten Nachmittag haben wir unsere müden Leiber dann doch nochmal aus dem Sand gehoben und sind über die Foodstreet in Kenting gestreift. Die gesamte Kenting Street, die Hauptstraße durch den Ort wir am Abend zu einem rieseigen, langen Markt. Krass fanden wir, wie viele Busse um diese Zeit nach Kenting kommen und wirklich SCHAREN von jungen Menschen in die Stadt verfrachten. Bus um Bus lud hier eine Ladung nach der anderen ab. Wo gehen die ganzen Menschen in dem kleinen Ort denn hin?
 
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Da brennt der Boden – Chu Huo

Mit dem Bus ging es wieder zurück nach Hengchun, wo wir am alten Stadtor des Ortes ausgestiegen sind. Hengchun war einst komplett von Mauern umgeben. Heute stehen nur noch wenige Einzelteile des Bauwerks in der Stadt und erinnern an die mächtigen Wälle.


Für unseren Ausflug zum Chu Huo nahmen wir uns noch ein Bierchen bei 7Eleven mit. Nira hat dieses Talent, sich immer wieder zu Experimenten hinreißen zu lassen, was Essen & Trinken betrifft. Dank ihr können wir hiermit bestätigen: Honig-Bier schmeckt richtig sch***. Hätte man sich denken können, so haben wir aber Fakten geschaffen.

Chu Huo liegt nur einen Kilometer entfernt von Hengchun. Wenn man sich nicht gerade verläuft, ist man in wenigen Minuten hin spaziert.

In Chu Huo strömen Gase aus dem Boden, die sich zu richtigen Flammen entzünden. Besonders cool bei Nacht und, wenn es lange nicht geregnet hat. Voraussetzungen erfüllt!
Weltreise_Backpacking_Taiwan_Kenting-Nationalpark
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Uns ist bis jetzt nicht ganz klar, warum einige Taiwanesen dort Feuerwerk abgebrannt haben. Vielleicht bringt es Glück, aber Fakt ist: Laut dem Schild an den Feuerstellen ist es verboten. Immerhin strömt hier eben Gas aus dem Boden, das sich einfach entzünden kann. Immer und überall.

Ganz ernst nimmt das hier aber scheinbar niemand, denn auf dem Rückweg ist uns sogar ein Stand aufgefallen, der Feuerwerk an Besucher verkauft.

Besondere Begegnungen – Besonderer Tag in der Forest Recreation Area

Also EIGENTLICH war es an diesem Tag viel zu heiß für jede Art von körperlicher Aktivität. Und EIGENTLICH, wollten wir ja auch ein Taxi in die Recreation Area nehmen und haben uns dann auch EIGENTLICH völlig vogelwild dazu entschieden, die 4,5km zum Eingang des Naturschutzgebiets zu laufen. Es kam dann aber etwas anders.


Aus Kenting fahren nur extrem früh (bis 7:00 Uhr) und dann erst wieder sehr spät (ab 16:00 Uhr) Busse zur Recreation Area. Ein Taxi war weit und breit keines in Sicht, als wir an der Straße zu diesem Naturschutzgebiet ankamen, also sind wir einfach losgelaufen.

Witzig oder? Eher völlig verrückt. Jetzt sind 4,5 Kilometer wahrlich keine Weltumsegelung. Ohne Schatten, auf dem heißen Asphalt bei über 30° war uns schon nach 1,5 Kilometern das Lächeln aus den Gesichtern gewichen. Was machen? Umdrehen und umsonst gelaufen sein? Abhaken! Einfach weiterlaufen... könnte sich negativ auf Kopf, Stimmung und den Inhalt unserer Wasserflaschen auswirken.
Weltreise_Backpacking_Taiwan_Kenting-Nationalpark
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Die Lösung: Hitchhiken. Einfach mal probieren, ob das mit dem Daumen auf die Straße strecken auch hier klappt.

Jetzt muss man wissen, dass die Straße nicht gerade stark frequentiert ist, es dauerte also eine Weile, bis überhaupt mal ein Auto kam. Schweiß aus dem Gesicht gewischt, das freundlichste Grinsen aufgesetzt und...? Das Auto hielt an!


Die Scheibe ging runter. Im Auto saß eine Frau, die gerade ihre Mutter abgeholt hatte, um für sie zu kochen. Ob wir zum Park wollen, fragte sie und ließ uns einsteigen. Das hat ja super funktioniert, aber es wurde noch besser. Ob wir schon zu Mittag gegessen haben? Öhm, Nein?!

Kurze Zeit später saßen wir gemeinsam mit der ununterbrochen lächelnden Omi in einem riesigen Garten an einem Tisch. Lin, die Hausherrin, die uns mitgenommen hatte, schmiss ein paar Nudeln in den Topf und kochte für ihre Mutter und uns ein typisches taiwanesisches Lunch. Nudeln mit Ei und Gemüse. Sie bestand darauf, uns wieder zum Park fahren zu dürfen und gab uns ihre Nummer. Sie würde am späten Nachmittag sowieso wieder nach Kenting fahren, falls wir eine Mitfahrgelegenheit bräuchten. Wahnsinnig freundlich!
 
Weltreise_Backpacking_Taiwan_Kenting-Nationalpark
 

Muscheln, Höhlen und Affen

Gestärkt ging es zum Eingang des Naturschutzgebiets (75NTB/Student, sonst 150 NTB). Die Karte für den Park war natürlich größtenteils auf Chinesisch. Die sehenswerten Stellen waren aber auch für uns verständlich gemacht.


Gleich am Eingang und auch mehrmals auf dem Gelände warnten Schilder vor giftigen Schlangen und Wespen. Ganz ehrlich, diese Wespen, die wir gesehen haben, hatten die Größe von zwei deutschen Hornissen und erinnerten eher an Ausgeburten aus Dino-Dokumentationen. Zum Glück schien keine von ihnen hungrig auf Europäer gewesen zu sein.

Die Wege durch das Areal lassen sich einfach laufen, die Distanzen sind nicht wirklich lang und es gibt viel zu sehen. Mitten im Park steht beispielsweise ein achtstöckiger Aussichtsturm. Von dort oben hatte man eine wahnsinnig schöne Aussicht auf das südliche Ende Taiwans, das Meer und den Nationalpark.
Besonders beeindruckend fanden wir die Tatsache die meterhohen Korallen, die vor tausenden Jahren durch Plattenverschiebungen aus dem Meer gehoben wurden. Noch heute liegen überall Muscheln auf dem Boden. Zeugen also, dass dieses Gebiet mal unter Wasser lag. Zudem haben sich viele kleine und größere Höhlen gebildet, die – typisch für Asien – innen bunten Farben und etwas kitschig beleuchtet werden. Das war in Neuseeland anders, da war es einfach stockdunkel!
Wir haben im ganzen Nationalpark keine zehn Menschen gesehen. Auch der Parkplatz war komplett leer. Wir waren weder besonders spät oder früh dort noch gab es einen anderen offensichtlichen Grund dafür, dass kaum jemand hier war. Selbst beim Affen-Felsen, an dem man die seltenen Formosa Makaken sehen sollte: Keiner!

(Dort haben wir übrigens keinen einzigen gesehen!)

Es war natürlich sauheiß, das dürfte als Argument zählen. Es scheint sich bei der Forest Recreation Area also wirklich um einen kleinen Insider zu handeln, den wir wirklich empfehlen können.


Und wieder Glück!

Da waren sie wieder. Die 4,5 Kilometer zwischen uns und der Kenting Street. Für einen Bus war es noch viel zu früh, warten wollten wir nicht und Lin wollten wir auch nicht ernsthaft nochmal "belästigen", also liefen wir wieder los. Bei jedem Auto ging der Daumen nach draußen, da hatten wir ja gute Erfahrungen gemacht. Diesmal lief es dann gar nicht mal so gut. Ein Auto nach dem anderen fuhr an uns vorbei, mancher winkte freundlich.

Was uns aber im Park noch verborgen geblieben war, tobte jetzt wie wild vor uns auf der Straße herum: Formosa Makaken.

Da musste sogar die Polizei kurz stoppen und die Beamten machten ganz aufgeregt Fotos von der großen Affenfamilie. Richtig cool.
Weltreise_Backpacking_Taiwan_Kenting-Nationalpark
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Dann kam auch das Glück auf der Straße zurück, im doppelten Sinne sogar. Nicht nur, dass ein taiwanesisches Paar im besten Alter für uns anhielt. Die beiden waren gerade eh auf dem Weg nach Kaohsiung und nahmen uns direkt nach Hengchun mit. Fahrt für den Bus also auch gespart, läuft. Hätten wir unsere Backpacks nicht noch in der Unterkunft stehen gehabt und nicht schon den Bus zurück nach Kaohsiung gebucht, sie hätten uns vermutlich direkt mitgenommen. So ging es am Abend in Richtung Tainan. Wir wären gerne noch ein bis zwei Tage länger im Süden geblieben, aber dummerweise wollten wir einmal nicht ganz planlos reisen und haben relativ bald die nächste Unterkunft in Tainan gebucht. Umbuchen und kostenlos stornieren war nicht möglich. Pech gehabt, so mussten wir eben abreisen. Tainan, wir kommen. Stay tuned.

4 Comments

  1. Moni sagt:

    Völlig „Unerwartet“ haben sich dann tatsächlich bei mir ein paar Fragen ergeben, auf die ich auch beim 2. Mal durchlesen keine Antwort gefunden habe…😇
    Das ist neu…

    1)Sind die Straßen so schlecht, oder warum fährt man 2 Stunden für 10 km
    2)Gebäck mit Bohenfüllung..was ist das..🤔
    3) wo gingen denn nun die ganzen Scharen Menschen hin, die da aus den Bussen stiegen…Ihr seid doch sonst neugierig genug es rauszufinden 😂😂..??

    • Christoph sagt:

      Huhu 😇
      Dafür gibt es ja die Möglichkeit, sich auszutauschen, sehr gut hihi
      Also es waren natürlich 100km Busfahrt 🤗 sonst wäre die Frage mehr als berechtigt 😅
      Zu Punkt 2) keine Ahnung wer sowas erfunden hat, es schmeckt jedenfalls bescheiden… es ist eine Art Brötchen in das man nicht reingucken kann und den Geschmack erst bekommt, wenn man reinbeißt. Oder man kann chinesische Schriftzeichen lesen dann dürfte es vor dem Kauf schon klar sein 🙈
      Punkt drei können wir nicht beantworten, wir sind dann geflüchtet das war wie ein Überfall von Ameisen 😂
      Da war unsere Neugierde nicht groß genug 🙂
      Grüße
      Nira & Christoph 😘

  2. Moni sagt:

    Oh vielen Dank für die schnelle Aufklärung 👍

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