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Weltreise_Backpacking_Taiwan_Taichung
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Wir haben da eine Veränderung bemerkt. Wir reisen jetzt nach über 150 Tagen irgendwie anders. Also wir reisen noch genauso: Mit unseren vier Füßen und unseren zwei Backpacks. Wir leben aber anders in den Tag hinein. Irgendwie entspannter und nicht mit dem Druck, alles anschauen und aufsaugen zu wollen. Gleichzeitig fasziniert und inspiriert uns Taiwan jeden Tag aufs Neue. Es sind aber nicht die megagroßen und wichtigen Sehenswürdigkeiten, sondern eher die „kleinen Dinge“.

In Tainan haben wir das besonders gemerkt. Ist das schon Reisemüdigkeit oder macht sich da die pure Gelassenheit breit?

Wenn der Tag um 15:00 Uhr beginnt...

Wir sind mit dem Zug erst spät aus Kaohsiung angekommen. Dann lag der Bahnhof des Highspeed-Zugs (135 NTB/ Person) auch noch total weit außerhalb der Stadt und wir mussten mit dem Bus in die Nähe unseres Hotels fahren. Wir haben einen totalen Schnapper geschlagen in Tainan. Unser Zimmer kostete eigentlich über 80 EUR. Last-Minute hatten wir für 23 EUR im Tainan First Hotel* zugeschlagen.

Eigentlich schlafen wir ja viel lieber im Hostel. Die Atmosphäre ist viel entspannter, man trifft nur Gleichgesinnte und die Mitarbeiter haben die coolsten Tipps, aber bei dem Preis konnten wir schlecht widerstehen. Schönes Zimmer mit eigenem Bad, Aircon, Wasserkocher für Kaffee und Tee. Läuft.
Nach dem Frühstück am nächsten Morgen ging es erst einmal wieder zurück ins Zimmer. Wir waren beide noch ordentlich K.O. von den Kilometern, die wir am Tag zuvor im Kenting Nationalpark abgespult hatten.

Gleichzeitig klopfte da immer wieder dieses Gewissen an die Innenseite unserer Schädeldecke mit den Worten „Wollt ihr nicht jede Minute in Tainan effektiv nutzen, um die Stadt kennenzulernen?“ – Es war ein Gedanke, der uns schon beschäftigte, aber wir waren uns beide einig: Wir müssen nicht von 9:00 bis 21:00 durch die Stadt hetzen, von A nach B, weil man dies und das gesehen haben muss. Wir nehmen uns lieber Zeit für die Sachen, die uns wirklich wichtig sind, die uns ansprechen und die wir dann in Ruhe erleben können.
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Wir schauten uns Stunde um Stunde Videos auf Youtube an, von Weltreisenden wie unseren Freunden Lisa und Johannes von Immerfernweh, die mittlerweile in Chile unterwegs sind.

(Checkt die beiden auf Youtube mal aus!).

Den Tag gänzlich vorbeiziehen lassen war aber keine Alternative. Um 15:00 Uhr starteten wir gemütlich in den Tag und schlenderten zum Chihkan Tower (50NTB/Person). Der Tower war einst Sitz der Holländer im 17. Jahrhundert und wird auch Fort Provintia genannt. Ziemlich eindrucksvolle Stätte mit viel Geschichte, denn nach den Holländern kamen die Chinesen. An ihre Niederschlagung im 18. Jahrhundert erinnern heute neun Steintafeln auf den Rücken von neun Schildkröten direkt vor dem Turm.
Weltreise_Backpacking_Taiwan_Tainan
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Am Abend spazierten wir dann wieder gemütlich zurück in unser Viertel. Bevor es aber zurück ins Hotel ging, kamen wir noch durch einen kleinen Straßenmarkt. Streetfood is the best food. Mit leerem Magen konnten wir ja schlecht schlafen gehen.

Tainan-Erkundung Teil #2

Es war ein ordentliches Hin und Her, bis wir in unseren zweiten Tag in Tainan starten konnten, denn zunächst stand die Verlängerung im First Hotel an (wir hatten erst einmal nur für zwei Nächte gebucht im Vorfeld), denn es war Samstag und Samstag scheint der Tag zu sein, an dem alle Hotels in Taiwan doppelt so teuer sind. Dann hieß es erst, wir sollen ein bisschen mehr zahlen und können in dem Zimmer bleiben, dann hieß es, wir sollen online buchen, da sei es billiger. Als es online kein Zimmer mehr gab, hieß es, die Hotelchefin habe interveniert, wir können doch keinen günstigeren Preis kriegen. Als wir ins Dorm wollten, gab es dann plötzlich doch noch ein Zimmer zu einem vernünftigen Preis.

Wären wir nicht zu gemütlich... ok ehrlich: Wären wir nicht zu faul gewesen, in ein anderes Hostel/Hotel zu wechseln, wären wir vermutlich längst abgedampft. So war das dann pünktlich zum Mittagessen auch geklärt.


Konfuzius sagt...

In fast jeder Stadt, die etwas auf sich hält, gibt es einen Konfuzius Tempel. Tainan macht da keine Ausnahme, doch hier ist er wirklich besonders eindrucksvoll. Gleichzeitig ist der Konfuzius Tempel (50NTB/ Person) in Tainan das bedeutendste Lehrzentrum und auch der Erste seiner Art in Taiwan.
Weltreise_Backpacking_Taiwan_Tainan
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Es war mega-super-heiß an diesem Tag. Keine Ahnung, wann wir das letzte Mal so heftig geschwitzt hatten. Warum auch immer: Wir liefen an diesem Tag trotzdem so viele Kilometer, wie zuletzt auf einer Tagesetappe auf dem Kepler Track in Neuseeland.

Das Schöne an Tainan sind die vielen, kleinen und süßen Gässchen wie etwa in der Fuzhong Street oder der Shennong Street, einer der ältesten Straßen Tainans und damit auch Taiwans. Man muss durchgelaufen sein, um den Zauber richtig spüren zu können. Die kleinen Backsteinhäuschen, die von grünen Kletterpflanzen überwuchert werden, Streetart, kleine Cafés und selbstgebastelte Kunstwerke geben den alten Straßeneinen jungen Touch.
Weltreise_Backpacking_Taiwan_Tainan
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Ganz besonders angenehm war an diesem heißen Tag der Einsatz von Berieselungsanlagen über den Gässchen, um die Gemüter etwas abzukühlen.

Anping – Kleinholland in Taiwan

Wieder war es heiß. Wieder entschlossen wir uns, zu laufen. Wann und wohin die Busse fahren steht schon immer auf den Tafeln, aber eben auf Chinesisch. Diesmal hieß das Ziel Anping. Anping liegt im Westen der Stadt am Meer, war früher eine vorgelagerte Insel, die von den Holländern kolonisiert wurde und die durch Verschlammung heute zum Festland gehört. Der holländische Einfluss ist aber überall spür- und sichtbar.

Laufstrecke von unserem Hotel: Knapp fünf Kilometer. Gerade bei den Temperaturen gibt man dann irgendwann dem Stolz nach, winkt sich einen Bus heran und fährt für umgerechnet 50ct. Dann doch lieber klimatisiert an sein Ziel.


Fort Zeelandia

Über dem Viertel auf einer leichten Anhöhe thront Fort Zeelandia (50 NTB/Person), das zweite wichtige Fort der Holländer zu Zeiten der Kolonisation hier in Tainan. Die Mauern sind heute noch gut erhalten, der weiße Turm wurde erst vor einigen Jahrzenten dazu gebaut, als Aussichtsturm.

Das Fort ist umgeben von Straßenverkäufern und ein beliebtes Ziel, wenn nicht das beliebteste Ziel von Touristen und Besuchern hier in Tainan. Wir haben überlegt, es überhaupt zu betreten, aber nach einem kalten, frischen Mango-Saft war der Erkundungsgeist geweckt.
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Viel schöner als Fort Zeelandia selbst fanden wir aber wieder die kleinen Gassen ringsherum. Hier war auch viel weniger los, als direkt am Fort. Wir sind uns nicht sicher, ob es nur am Sonntag so voll ist oder ob es da immer so voll ist. Als wir (am Sonntag) dort waren, war es jedenfalls supervoll! Man hat nicht das Gefühl, in einer asiatischen Stadt zu sein, wenn man an den Backsteinhäusern vorbeiläuft. Anders als vereinzelt in der Innenstadt Tainans sehen hier fast alle Häuser so aus. Das Erbe der Holländer. Optisch wirklich schön.
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Wir haben den ganzen Tag in Anping verbracht. Mal vertieft in die chinesischen Speisekarten auf dem Streetfood-Markets, mal Kaffee trinkend und Menschen beobachtend. Dann wieder kurz spazierend zwischen Backstein und Grünzeug oder einfach nur genießend am Fluss.

Anping hat uns richtig gut gefallen. Auch, weil man den vielen Touristen (Wochenende!) wirklich gut und einfach ausweichen kann.
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Was ist jetzt mit Reisemüdigkeit?

Wir haben unser Hotel an keinem Tag vor 12:00 Uhr mittags verlassen. Wir haben nicht jeden unserer Tage in Tainan vollgepackt mit Sightseeing, Erkundungen und Erlebnissen. Das hätten wir bestimmt gemacht, wenn wir für drei Wochen nach Taiwan geflogen wären. Als Jahresurlaub. Ohne 149 Tage Weltreise davor.

Unser Verhalten hat sich sicherlich ein wenig geändert. Wir sehen das aber gar nicht als Übersättigung unseres Reisehungers oder gar Müdigkeit, etwas Neues sehen und erleben zu wollen. Wir nehmen uns mehr Zeit für das, was uns persönlich anspricht und nicht, was man vermeidlich gesehen haben muss. Gerade in Taiwan schätzen wir das Privileg, mal länger als zwei Nächte an einem Ort zu verweilen und ein Stamm-Café zu haben. Das ist ein kleines Gefühl von Heimat, weit weg von Zuhause.

Wir lieben den Spirit in Taiwan, das Unbekannte und Unergründete. Taiwan ist kein Land, das alle paar Kilometer mit einer neuen Sehenswürdigkeit aufwartet. Taiwan gilt sogar in manchen Reiserückblicken als eher unspektakuläres Reiseziel. Wir sind total begeistert von Taiwan. Vielleicht auch einfach, weil es zum jetzigen Zeitpunkt unserer Weltreise genau das Richtige ist, wenn es keine 20 Hotspots gibt, die man sich anschauen muss, sondern das Leben und den Tag genießen kann, wie er fällt. In einem Land, das uns total unbekannt war und jetzt immer mehr inspiriert.


Eigentlich wollten wir nach Alishan, einer kleinen Siedlung im Hochland Taiwans fahren. Leider sind die Unterkünfte dort fast alle ausgebucht. Was noch übrig ist, würde unsere Kassen sprengen. Taichung ist der beste Ausganspunkt für den größten See Taiwans, den Sun Moon Lake. Also fahren wir dorthin, um hier alles Weitere für unseren Trip in Natur zu planen. Noch eine Stadt alo, dann gibt’s die volle Ladung Natur.

Also auf mit dem Bus (190NTB/Person) nach Taichung.

Stay tuned!
 
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7 Comments

  1. Moni sagt:

    Traumhaft schön..💛💚jetzt ist Entspannen und Genießen angesagt …um nochmal auszuholen? Oder ist das schon die Einleitung zum Ende 🤔
    Egal ..lasst es euch richtig gut gehen😘

  2. Gina sagt:

    Uns ging es genauso auf unserer Weltreise. Nach Monaten des Reisens ist es einfach was ganz anderes als im Jahresurlaub. Wir sind oft nur gemütlich durch die Gegend geschlendert, haben lange im Zimmer abgehangen und uns überhaupt keinen Druck mehr gemacht, irgendwelche „must-sees“ zu besichtigen. Je länger wir reisten und je mehr wir sahen, umso mehr wurde uns klar, wie unmöglich es ist, wirklich ALLES Sehenswerte auch angucken zu wollen. Mut zur Lücke wurde unser Motto und damit das Reisen sehr entspannt.
    Viel Spaß euch weiterhin!
    LG
    Gina und Marcus

    • Christoph sagt:

      Hallo ihr beiden,
      Mensch ihr sprecht uns aus der Seele 😅😇👍🏼 Wir leben auch nur noch in den Tag, schauen uns an worauf wir gerade Lust haben, gammeln rum oder gehen spazieren.
      Du hast völlig recht Gina, alles sehen kann man nie. Wollen wir auch garnicht 🙂
      Ganz liebe Grüße und Danke Euch für die Bestätigung 😊✌🏽
      Grüße
      Nira & Christoph

  3. Hey,
    wieder mal ein klasse Bericht mit tollen Bildern !
    Mit der Müdigkeit würde ich mir gar nicht zu Herzen nehmen bzw. es gar nicht so nennen. „Einfach entspannter reisen“ klingt doch viel besser als „Reisemüdigkeit“ 😉 Als ich in Kathmandu im Hotel den halben Tag saß, hatte ich mich auch gefragt, ob ich ein schlechter Touri bin, weil ich nicht die Stadt erkunde. Die Antwort: Mach einfach worauf Du Lust hast. Finde ich gut, dass Ihr euch nicht drängen lasst, sondern euer eigenes Tempo macht. Bin auf alles weitere gespannt.

    @Christoph: Richtig starkes Tattoo. Souvenir aus NZ ?

    Viele Grüße,
    Schwerti

    • Christoph sagt:

      Heya Schwerti,
      ganz genau so ist es doch. Es gibt doch keinen Auftrag, den wir erfüllen müssen.. keine Liste, die wir „abarbeiten“. Waren wir nur an einem Ort, wenn wir dort Platz A,B und C gesehen haben? Ist doch Quatsch. Deswegen hast du völlig recht: wir machen, worauf wir Lust haben. Genau deswegen machen wir das ja überhaupt.
      Das tattoo ist ein kleines Andenken aus einem wundervollen Land, Neuseeland. Ganz richtig beobachtet!😊👍🏼
      Grüße aus Taiwan
      Nira & Christoph

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