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Schon der erste Eindruck von Taichung war mega. Die letzten Kilometer unserer Busfahrt aus Tainan (190NTB/Person) führten vorbei an der bunten Skyline von Taichung. Mittlerweile ist es schon fast obligatorisch, dass wir jedes Mal wieder überrascht sind, wenn wir in Taiwan an einen neuen Ort kommen. Taichung sollte aber nicht nur deswegen in sehr guter Erinnerung bei uns bleiben. Eine gute Erinnerung mit einem kleinen Haken.


Der kleine Haken lag in unserem Hostel versteckt, das wir aber aufgrund der perfekten Lage in der Stadt und der äußerst modernen Aufmachung in Kauf genommen haben: Wir hatten getrennte Betten. Und nicht nur das. Wir schliefen sogar in getrennten Zimmern und auf unterschiedlichen Stockwerken.

Das Kiwi Express Hotel II* hat leider keinen gemischten Schlafsaal und die Doppelzimmer waren uns viiiel zu teuer. Das war aber der einzige kleine Minuspunkt, denn ansonsten hatte es nur Vorteile hier. Frühstück inklusive, einen Kaffeevollautomaten, Eistee und Knabbersachen den ganzen Tag. Alles kostenlos. Dazu eine schöne Aussicht aus der Lounge im achten Stockwerk mit Chill-Out Area, Gemeinschaftsspielen und Kicker.

Hier hat es uns so gut gefallen, dass wir direkt auf vier Nächte verlängert haben.

Städte-Routine an Tag #1

Wir haben mittlerweile eine Routine entwickelt, wenn wir in neue Städte kommen. Nira hamstert für uns erst einmal alle Flyer und Informationen im Hostel oder in Touri-Informationen zusammen, die interessant für uns sein könnten. Gerade am ersten Tag lassen wir uns aber meist einfach nur durch den neuen Ort treiben, gehen spazieren und orientieren uns ein wenig. Den Tag durchplanen... davon haben wir uns irgendwann einmal verabschiedet. Wir schauen was wir sehen wollen, nehmen uns dafür so viel Zeit, wie wir wollen und entscheiden dann spontan, wie es weitergeht.

In Taiwan ist es momentan sehr sehr heiß. Die Busse sind eigentlich relativ günstig, auch in Taichung (20NTB/Fahrt), aber am besten – und da wiederholen wir uns immer und immer wieder – lernt man einen Ort einfach zu Fuß kennen. Das kostet Kraft, das produziert jede Menge Schweiß, aber das ist einfach unsere Art zu reisen.

Wir schlenderten also zum Calligraphy Walkway, einem großen Grünstreifen mitten in der Stadt gut 2,5km von unserem Hostel entfernt. Auf dem Weg dorthin, genauer gesagt keine zwei Minuten von unserer Unterkunft entfernt fanden wir dieses kleine Schmuckstück.
Auf den Bildern, die wir über Taichung gesehen hatten, haben wir immer gedacht, dabei handle es sich um eine schöne, alte Bücherei mit ganz viel Geschichte. Ja, denkste!

Lob an den Innenarchitekten. Alles nur Schein. Die Bücher sind sogar einfach nur bemalte Holzklötze und es handelt sich auch nicht um ein Zentrum der Literatur, sondern einen Treffpunkt für Leckermäulchen, denn das hier ist einfach nur ein schönes Delikatessengeschäft.


Immer auf der Suche nach einem schattigen Plätzchen ging es über den Calligraphy Walkway in Richtung des großen Museumsplatzes um das National Museum of Natural Science. Hier interessierte uns aber weniger die Kunst, als vielmehr der Park rings um das Museum. Eine wirklich schöne, gepflegte Anlage auf der munter Frösche quakten.
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Nach einem kurzen (zeitlich gesehen, nicht die Distanz betreffendI) Abstecher in das Shopping Viertel Taichungs ging es dann aber mit dem Bus zurück zum Hostel.


Tag #2 im Rainbow Village

Gemütlich Frühstücken und wenn alle anderen in den Tag starten noch einmal genüsslich einen Cappuccino aus dem Automaten rauslassen. So startete unser zweiter Tag in Taichung. Außerdem war auch mal wieder Wasch-Tag angesagt.

Während unsere Wäsche also munter durch die Maschinen geschleudert wurde, genossen wir die Aussicht auf Taichung und recherchierten ein wenig über die Stadt.

Um 15:00 Uhr starteten wir mit dem Bus in Richtung Rainbow Village. Die Fahrt dauert etwas länger, als eine normale Stadtfahrt, denn das Rainbow Village liegt am östlichen Rand der Stadt. Bei dieser kleinen Wohngegend handelt es sich übrigens um bunt bemalte Häuser. Der Künstler dahinter ist ein alter Opi, ein ehemaliger Veteran, der verhindern will, dass seine Siedlung in Tristess verfällt und deswegen bis heute immer weitermalt. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen.
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Der kleine Opi war sogar persönlich anwesend, als wir an seinem liebevoll bemalten Haus ankamen und grüßte freundlich grinsend.


Von hier draußen ist es gar nicht so einfach, wieder in die Stadt zurückzukommen. Erst Recht nicht, wenn man auch noch ein bestimmtes Ziel ins Auge gefasst hat. Eine wirklich tolle Erkenntnis über Taiwan ist aber immer wieder: Kaum einer spricht hier Englisch, aber alle haben eins gemeinsam. Sie helfen wo sie nur können. Am Ende sind wir immer dort angekommen, wo wir hinwollten, wirklich klasse.
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Feng Chia Nightmarket – der größte Taiwans

Wir sind totale Nightmarket-Fans. Das bunte Gewusel, das leckere Streetfood und die vielen kleinen Läden... das ist einfach eine tolle Atmosphäre, umgeben von Locals, die ebenfalls den Abend ausklingen lassen. Und wenn in Taichung schon der größte Nachtmarkt des Landes stattfindet, dann darf der natürlich in unserem Programm nicht fehlen. Überall leuchtete es und auch, wenn der Duft aus mancher Garküche extrem gewöhnungsbedürftig ist (Beispiel: Stinky Tofu) ist es immer wieder schön. Der Feng Chia Nightmarket hatte schon fast ein bisschen Volksfestcharakter. Schießbuden, Spiker-Stände, laute Musik, Losbuden und eine exotische Köstlichkeit reihte sich hinter die andere.
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Die Dakeng Wanderwege – Tag #3

Jetzt kann Taichung aber nicht nur quirlig und bunt, sondern auch ruhig und Natur. Und wie Taichung das kann. Wir hatten so richtig Bock, mal wieder ein wenig wandern zu gehen. Raus in die Natur. Erstaunlicherweise geht das verhältnismäßig einfach in Taichung, denn gleich an der westlichen Stadtgrenze beginnt das Hochland Taiwans mit vielen schönen Wanderwegen.

Die größte Herausforderung dabei war es, den richtigen Bus zu finden, der einen dorthin bringt. Im Hostel konnte man uns auch nicht so richtig helfen mit unserem speziellen Wunsch. Für alle, die das auch mal machen wollen: Bus 270 ist euer Freund. Ausstieg an der Minde Brigde.

Die Fahrt dauerte etwas mehr als eine Stunde, obwohl die Haltestelle nur 12km außerhalb des Stadtzentrums liegt. Hier ticken die Uhren sofort langsamer. Von der Minde Brigde zu dem Start der Trails 1-4 sind es noch einmal knappe drei Kilometer. Man nimmt sich entweder den Bus 66 oder begeht denselben Fehler wie wir und läuft die Strecke, weil der nächste Bus erst in einer Stunde kommt.
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Unser Plan war es, zum Start von Wanderweg Numero 2 zu trampen. Das Problem war nur: Es kam kein einziges Auto. Wir waren schon klatschnass geschwitzt, als wir am Startpunkt angekommen waren. Der Weg dorthin ist mega steil und liegt in der prallen Sonne. Warum wir nur einen Liter Wasser dabei hatten, ist uns jetzt immer noch nicht ganz klar. Fakt ist, die Wanderwege 1-4 sind zwar nicht wirklich lang, dafür aber extrem steil und abenteuerlich. Wir waren da aus Neuseeland sicherlich etwas verwöhnt, wo es an jedem guten Wanderweg erst mal ein Touristenbüro mit Wanderkarten gab. Wir dachten, so ähnlich könnte es hier vielleicht auch sein. Fehlanzeige. Wir sind keinem einzigen Touristen begegnet und der einzige, der hier zugegen war sprach chinesisch und hat Obst verkauft. So blieb uns wieder mal nur: Einfach drauf los!
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Leider zog es im Verlauf unserer Wanderung dann zu unserem Schweißproblem auch noch extrem zu, so dass wir den Trail knapp über der Hälfte abgebrochen haben, denn die motivierende Aussicht von ganz oben war in einer Nebel-Smog-Suppe verschwunden. Trotzdem würden wir die Wanderwege jedem empfehlen, der nach Taichung kommt. Die Aussicht kann hier an schönen Tagen richtig cool sein und der Wanderweg über die Holztreppen ist ein echtes Abenteuer. Man muss sich aber mit dem Gedanken anfreunden, auf rote Wespen zu treffen, die die Größe von kleinen Vögeln haben und Spinnen, die locker die Fläche einer Männerhand füllen könnten. Etwas urzeitlich alles hier.
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Sun-Moon-Lake – Ausflug in eine Sackgasse

Von Taichung aus haben wir den Bus zum Sun-Moon-Lake, also dem Sonne-Mond-See genommen. Der See ist das größte Süßwasserreservoir Taiwans und verdankt seiner Küstenform den astronomischen Namen. Der See ist besonders für Taiwanesen ein beliebtes Ausflugsziel. Absolut zurecht, wie wir nach einer knappen Stunde mit dem Bus 6670 (190NTB/Person) durch das Hochland im Zentrum des Landes mit unseren eigenen Augen feststellen durften.

Wir haben uns für eine Unterkunft auf der Nordseite des Sees in Itathao entschieden, die als ruhiger und schöner gilt. Leider, leider sind die Unterkünfte hier am Sonne-Mond-See sehr teuer, zumindest für uns Budgettraveller. Das Itathao Vacation Hotel* war mit knapp 39,00 EUR pro Nacht das günstigste, das pünktlich zum Wochenende noch verfügbar war. In Taiwan steigen die Preise für Unterkünfte am Samstag allgemein nochmal um 20-30%, deswegen war von vornherein klar, dass uns nur eine Nacht an diesem schönen See bleibt. Die Überfahrt mit dem Boot (100NTB/Person) auf unsere Seite des Sees war schon wirklich die Reise wert. Der See hat eine traumhaft schöne Farbe, die im Schein der Sonne noch dazu herrlich glänzte.
Weltreise_Backpacking_Taiwan_Sonne-Mond-See
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Nach Hualien? Das geht nicht...!

Backpacks ins Hotel und dann runter an den See. Bevor wir so richtig in unseren Tag an diesem schönen Ort starten konnten, wollten wir noch abklären, wie wir am Folgetag an die Ostküste nach Hualien kommen würden.

Die Antwort war kurz und schmerzhaft: Von hier? Gar nicht! Auf unseren Maps ist zwar aber eine Straße an die Ostküste eingezeichnet. Da diese durch das Hochland Taiwans, das sich auf über 3.000m erhebt, führt, wird die Strecke von keinem Verkehrsmittel bedient. Autsch!


Wie immer, wenn so etwas passiert, hatten wir ausgerechnet schon eine Unterkunft in dem neuen Ort gebucht. Na das läuft doch gleich schon wieder. Auch wenn die Erkenntnis wirklich genervt hat, die lieben Taiwanesen haben es sich gleich zur Aufgabe gemacht, gemeinsam mit uns einen Plan B zu finden.

Am Ende war klar: Wir müssen erst ganz hoch in den Norden, in die Hauptstadt, nach Taipei und von dort dann wieder runter an die Ostküste nach Hualien. Ob mit Bahn, Bus oder sonst wie. Es wird lange dauern und es wird teuer werden.


Das hat uns schon ein wenig gefrustet. Wäre es nicht so teuer gewesen, hätten wir gerne einige Tage hier am Sonne-Mond-See verbracht. Wir hätten den See mit dem Fahrrad abgefahren, wären spazieren gegangen... Viele Konjunktive, zu denen sich jetzt auch noch die Gewissheit gesellte, dass uns der Folgetag einiges an Sitzfleisch abverlangen werden würde. Also haben wir das Beste aus dem Tag, den wir hatten, gemacht, haben einige Zeit amüsiert bei den Darbietungen der Einheimischen am Hafen zugesehen und den kleinen Ort Itathao erkundet.
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Als es dann auch noch angefangen hat, aus Eimern zu schütten (übrigens erstmals, seit wir in Taiwan sind), war uns auch klar: Ok, das wird heute nichts mehr. Das gehört auch dazu. Wenigstens alles geballt, als jeden Tag ein bisschen schei** .

Was haben wir also gemacht: Wenn wir schon so eine Bonzen-Unterkunft haben, nutzen wir sie auch: Zwei Stunden Mittagsschlaf und ein ausgedehnter Serienabend, der nur kurz für ein Abendessen und ein MEGA kunstvolles Eis am Pier unterbrochen wurde.

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Vom Sun-Moon-Lake nach Hualien auf Abwegen

Ja, es war genauso umständlich und kompliziert, wie man es uns schon angekündigt hatte. Wieder rüber mit dem Boot auf die andere Seite des Sees (100NTB/Person, dann ging es mit dem Bus (470NTB/Person) zunächst 233km in vier Stunden nach Taipei. Zwei Stunden warten, von der Straße aufs Gleis gewechselt und nochmal 171km mit dem Zug (340NTB/Person) in über drei Stunden nach Hualien. Immerhin hat es den ganzen Tag geregnet!

Da sind wir jetzt gerade im Moment angekommen. Live sozusagen.

All das wird sich hoffentlich – ach, da sind wir uns ganz sicher – lohnen. Denn hier haben wir wieder etwas richtig Cooles vor. Dazu dann mehr, wenn es soweit ist! Stay tuned!

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