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Eine Woche im Dschungel – Unser Amazonas Abenteuer (Leticia)
2. Dezember 2017
Bis vor einigen Jahrzehnten hätte man unser nächstes Ziel in Kolumbien wohl ausschließlich mit einem Thema in Verbindung gebracht: Drogen. Kokain, um genau zu sein. Medellin hat in den letzten 30 Jahren einen unbeschreiblichen Wandel durchlebt.


Einst Heimat eines der mächtigsten Drogenkartelle der Welt, dem Medellin-Kartell, hat es Medellin 2012 zur innovativsten Stadt der Welt gebracht.

Heute hat die Stadt sogar für den gesamten südamerikanischen Kontinent eine Vorbildsfunktion eingenommen. Wirklich kaum zu glauben.

Wie es dazu gekommen ist, was wir auf den Spuren von Pablo Escobar entdeckt haben und was Medellin so innovativ macht, davon haben wir uns wie immer selbst überzeugt.


Nachtbus von Bogota nach Medellin


Vom Terminal de Transporte de Bogotá aus ging es für uns gegen 21:00 Uhr mit einem sehr komfortablen Bus nach Medellin. Die Fahrt war auf circa 10 Stunden angesetzt und hat fast auf die Minute auch genau so lange gedauert.

Insider-Tipp: Wir haben über Budbus einige Tage zuvor unser Ticket online gekauft. Wir haben pro Person 19 EUR bezahlt und sind mit Rapido Ochoa gefahren. Der Bus hat Toiletten an Bord und das WLAN funktionierte ebenfalls. Die Plätze sind äußerst komfortabel. Wichtig ist, dass ihr zur Abfahrt die Tickets ausgedruckt mitbringt.

Wer lieber spontan unterwegs ist, kann auch an den Busterminal gehen und sich das Ticket dort kaufen. Wir sind diesmal lieber auf „Nummer SICHER“ gegangen, weil wir genau zu dieser Uhrzeit fahren wollen.

 
Die Sonne ging gerade hinter den Bergen Medellins auf, als wir in die Stadt hineinfuhren. Medellin ist mit fast 2.5 Mio. Einwohnern die zweitgrößte Stadt Kolumbiens nach Bogota. Direkt vom Busterminal in Medellin aus ging’s per Uber zu unserem Hostel, dem Hostal Casa Paraiso (Booking* / Agoda*). Ein Traum von einem Hostal.


Obwohl es gerade erst früh am Morgen war durften wir in unser Doppelzimmer einchecken. Bei so einer Nachtbusfahrt spart man sich zwar die Übernachtung in einer Unterkunft, aber richtig ausgeschlafen ist man irgendwie auch nie.


Erster Tag in Medellin – Schlafen, Netflix, Pizza


Wer lange Zeit auf Reisen ist kennt diese Tage. Diese Tage, an denen man sooo viel unternehmen könnte, aber den Tag lieber mit der ultimativen Kombi aus Netflix und Pizza verbringt. Diese Tage müssen sein!


Wir haben erst einmal einiges an Schlaf nachgeholt, waren um die Ecke im Supermarkt kurz ein paar Sachen einkaufen und sind anschließend in Netflix versunken. (Noch) Nicht in NARCOS übrigens, was angesichts unseres aktuellen Aufenthaltsorts sicherlich Sinn gemacht hätte. Zu dem Zeitpunkt hatte uns gerade „Designated Survivor“ völlig gepackt.

Geburtstag in Medellin


Der zweite Tag in Medellin stand ganz im Zeichen meines Geburtstags. Nira hat mich in ein wunderschönes, kleines Café am Plaza de San Antonio zum Frühstück eingeladen. Der Park ist voller Bronze-Statuen eines weiteren bekannten Sohns der Stadt: Fernando Botero

Die Kunstwerke dieses kolumbianischen Bildhauers haben ganz besonders ein charakteristisches Merkmal: Sie sind alle dick – und zwar wirklich dick. Habt ihr seine Kunstwerke schon einmal in anderen Städten dieser Welt gesehen? Sie sind überall verstreut, zum Beispiel auch in Berlin und München.
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Als wir über FaceTime alle Geburtstagsglückwünsche eingesammelt hatten, haben wir uns einfach ein wenig durch die Stadt treiben lassen, um plötzlich festzustellen, wir sind gar nicht mehr in der Stadt. Aber von vorne.

So wurde Medellin zur innovativsten Stadt der Welt


Wir waren schon selbst richtig erstaunt. Eine Stadt, die lange als eine der gefährlichsten Städte der Welt mit Kriminalitätsraten im dunkelroten Bereich galt, ist heute eine der innovativsten Städte der Welt. Und das mit Recht.

Als wir uns mit der Frage beschäftigten, wie wir hier eigentlich von A nach B kommen würden, hatte uns unser Hostel-Besitzer mit einem leicht verschmitzten Lächeln noch hinterhergerufen: „Nehmt doch einfach die Metro!“


Kein Witz. Seit 1995 gibt es ein Metro-System in Medellin. Über eine Hochbahn werden alle Stadtteile miteinander verbunden. Und das zu einem Wahnsinnspreis. Eine Einzelfahrt mit der Metro kostet pro Person 2.300 COP, das sind umgerechnet nicht einmal 70 Cent.
Und das ist erst der Anfang.

Medellin verfügt außerdem über ein an das Metro-Netz angeschlossenes Seilbahn-System. Das ist nicht etwa ein angesagter Clou, um Touristen über die Ziegelstein-Siedlungen Medellins gleiten zu lassen. Nein, ganz im Gegenteil. Die Gondel wurde für die Einheimischen selbst errichtet, damit diese einfacher zu ihren Jobs in der Stadt gelangen. Was vorher ein Horrortrip mit dem Bus war, ist heute eine angenehme Gondelfahrt zum Metro-Tarif. Und? Wer fragt sich noch, wie Medellin zum Innovations-Champion wurde?

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Von der Endstation in Santo Domingo hat man einen gigantischen Blick über den Kessel, in dem Medellin gelegen ist. Wer denkt, dass er noch eine Station weiterfahren kann, um noch mehr von der Stadt zu sehen, der irrt sich genauso wie wir. In Santo Domingo ist zwar die offizielle Endstation der Metrocable, es gibt aber noch eine weitere Station.


In Medellin und doch nicht in Medellin – Park Arvi


Für weitere 5.200 COP (etwa 1,50 EUR) pro Person darf man noch eine Station weiterfahren. Zum Park Arvi. Wer sich – wie wir – die ultimative Aussicht über Medellin erhofft, der wird ebenso überrascht sein, was er sehen wird.
Die Fahrt dauerte locker und flockig 20-25 Minuten und als unter uns zunehmend weniger Häuser und mehr Wald zu sehen war, wurde uns klar: Das wird hier nichts mit Aussicht. Als wir den Gipfel erreichten, endete nicht etwa die Fahrt. Nein. Vor uns tat sich ein riesiger Nationalpark auf, über den wir weitere Minuten in unserer Gondel hinwegschwebten.


Und dann kamen wir im Park Arvi an, einem Nationalpark mit fünf Wanderwegen, von denen lediglich ein einziger ohne Guide beschritten werden darf. Wir waren hier oben lediglich ein paar Minuten spazieren und haben uns die archäologischen Ausgrabungen angesehen, die nachweisen, dass bereits vor tausenden von Jahren Leben in diesem Gebiet stattgefunden haben muss.


Wer hier wandern gehen möchte, sollte sich vorzeitig informieren. Einfach mal hier vorbeischauen.

Wenn du dir den Geburtstag in Medellin gerne als Video anschauen möchtest, klick doch einfach mal hier auf das Video.

Auf den Spuren von Pablo Escobar


Ganz ohne IHN geht es einfach nicht in Medellin. Gemeinsam mit Lisa & Johannes haben wir uns ausnahmsweise mit einer geführten Tour auf die Spuren von Pablo Escobar begeben.


Auch diesen Tag haben wir in einem Video festgehalten. Schau gerne mal rein!
Trotzdem noch ein paar Fakten zu der Tour:


Wir waren insgesamt einen halben Tag mit zwei Guides (spanisch und englisch) und gerade einmal acht weiteren Leuten unterwegs. Die Größe der Gruppe war also perfekt. Die Tour kostete pro Person 45.000 COP (etwa 13 EUR).

Wir stoppten an dem Wohnhaus von Pablo Escobar und seiner Familie, dem Familiengrab, wo auch die Asche des mächtigsten Drogenbarons der Welt begraben liegt und an dem Ort, an dem Pablo Escobar ermordet wurde.

Oder wurde er überhaupt ermordet? Um diese Frage ranken sich viele Rätsel.

Wurde er von einem Polizisten erschossen?

Hat er Selbstmord begangen, als ihn die Polizei in der Mangel hatte?

Lebt er vielleicht sogar immer noch und es wurde lediglich einer seiner vielen Doppelgänger ermordet?

Unser letzter Stop brachte uns schließlich in das einst gefährlichste Viertel der Stadt, des Landes, ja vielleicht sogar der ganzen Welt.

Noch vor weniger als einem Jahrzehnt starben in der Comuna 13 täglich etwa zehn Menschen. Und heute?


Kunst und Komfort statt Kriminalität und Kokain


Heute gilt das Viertel als absolut sicher. Kunstvolle Graffitis geben dem Stadtteil ein ganz persönliches Flair und auch in Sachen Innovation stoßen wir auf etwas, das wir so noch nie gesehen haben: Eine Rolltreppe.
Mitten durch die Comuna 13 führt heute eine Rolltreppe. Auf fast 350 Metern Gesamtlänge schlängelt sich die orange-farbene Treppe in sechs Abschnitten durch den Stadteil. Sie überwindet dabei eine Höhe von 28 Stockwerken. Einfach unglaublich!

Sie soll denselben Zweck verfolgen, wie die Seilbahn am anderen Ende der Stadt: Die armen Teile Medellins an das Stadtleben anschließen.

Zwischen der Vergangenheit der Comuna 13 und dem Status Quo liegt der Einmarsch mehrerer tausend Militärs, die Anfang des 21. Jahrhunderts in das Viertel einmarschiert sind, um ein Exempel zu statuieren.

Es ist bis heute unbekannt geblieben, wie viele Menschen dabei wirklich zu Tode kamen.


Klar ist auch, dass hinter der bunten Fassade der Stadt noch immer Gewalt herrscht, auch wenn die Touristenführer alle möglichen rhetorischen Mittel gegen diesen Glauben anwenden. Die Einheimischen kritisieren aber, dass die Comuna 13 nur für touristische Zwecke „verschönert“ wird.
So haben uns die Guides unserer Tour beispielsweise nur bestimmte Wege gehen lassen. Wer 1+1 zusammenzählt, der weiß: Abseits dieser Pfade wird sich vermutlich noch das alte Gesicht der Comuna 13 verbergen. Noch heute wird das Viertel von schwerbewaffneten Personen bewacht. Jetzt sind es eben keine Drogenbanden mehr, sondern das Militär und die Polizei.



Insider-Tipp: Es gibt in Medellin natürlich auch Free Walking Tours. Wir haben uns aber dennoch für eine bezahlte Tour entschieden, da wir gerne eine Mischung aus Pablo Escobar und der Comuna 13 wollten und wir nur noch einen Tag zur Verfügung hatten. Die Orte, die wir besucht haben, lagen alle sehr weit auseinander. Laufen wäre da unmöglich gewesen.
 

Unser Fazit zu der Tour und zu Medellin


Logisch.

Wenn man in Medellin ist und man mittlerweile - ohne Angst um sein Leben haben zu müssen - in ein berüchtigtes Viertel, wie die Comuna 13 marschieren kann, dann ist das ein Fortschritt. Das, was wir von dem Viertel sehen durften ist natürlich irre beeindruckend. Überall Graffitis.


Es ist nicht alles Gold was glänzt, aber es scheint einen Fortschritt zu geben. Das ist wirklich positiv zu bewerten.


Die Tour insgesamt würden wir schon alleine wegen den vielen Informationen wieder machen, auch wenn bei der englsichen Übersetzung unseres Guides immer viele Informationen verloren gingen. Wir hatten mit Johannes zum Glück jemanden dabei, der Spanisch spricht, das war ein großer Vorteil.


Medellin hat wirklich mehr zu bieten, als „nur“ die Geschichte von Pablo Escobar. Klar ist aber auch, dass man wohl kaum umhinkommt, egal was man tut und wo man in der Stadt ist. Natürlich hat auch uns interessiert, wie es dieser Mann zu einem der reichsten Menschen der Welt geschafft hat. Die Antwort ist leicht: Durch Koks.
Pablo Escobar war ein Mörder, ein Terrorist und ein Drogenbaron. Für die armen Menschen in Medellin war er aber auch ein Held, Famiienmitglied und ein Retter. Er hat soziale Einrichtungen wie Krankenhäuser und Schulen in Armenvierteln gebaut, in die sich die Regierung nicht einmal hineingetraut hätte.


Sein Erbe wird also immer zwei Gesichter haben.


Für uns geht es als nächstes in das Umland von Medellin. Nach Guatape. Dort erwartet uns ein riesiger, einsamer Felsen in einer wunderschönen Landschaft. Seid ihr bereit für über 350 Stufen steilen Felsanstiegs?


Stay tuned.

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